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Internet der Dinge: Digitale Leuchtturmstädte

Der weltweite Markt für Smart-City-Lösungen hat viel Potenzial. Ein Feld, in dem sich auch IT-Lösungsanbieter Netzlink im Zusammenhang mit Fiware verstärkt engagiert. Über Chancen und Herausforderungen – speziell in Deutschland. funkschau im Interview mit den Verantwortlichen.

Smart City Bildquelle: © everythingpossible-123rf

Bis 2023 wird das Volumen des weltweiten Marktes für Smart-City-Lösungen voraussichtlich bei rund 28 Milliarden Dollar liegen. Derzeit sind es 13 Milliarden Dollar.

funkschau: Was genau ist Fiware? Wer kann davon wie profitieren?

Ulrich Ahle: Die Idee für Fiware entstand vor fünf Jahren im Rahmen der Future Internet-PPP auf Initiative der Europäischen Kommission. In der Zwischenzeit wurden über 300 Millionen Euro in den Aufbau von Fiware seitens der EU investiert. Fiware ist einerseits eine Open-Source-Plattform für das Internet der Dinge. Andererseits wurde mit „NGSI (Next Generation Service Interface)“ ein offener Standard für den Datenaustausch im Bereich IoT definiert. Dieser Standard befindet sich aktuell in der internationalen Normierung. Als drittes sind auf der IoT-Plattform aufsetzende Funktionsbausteine, die bei Fiware „Generic Enabler“ heißen, entstanden. Diese Bausteine werden genutzt, um effizient neue Lösungen und Smart Services realisieren zu können.

funkschau: Was sind die wesentlichen Kernmerkmale einer Smart City? Wie würden Sie diesen Begriff genau definieren?

Sven-Ove Wähling: Es sind viele Aspekte, die eine Stadt `smart´ machen. Weil es aber keinen Prototyp einer Smart City gibt und es noch vielfach an Standards fehlt, kann nur schwer von einer Definition gesprochen werden. Wesentlich ist aber, dass eine Stadt die Entscheidung getroffen hat, sich mit der Digitalisierung offen, vernetzt und transparent aufzustellen. Im Idealfall findet eine digitale Stadt dann ganzheitliche, smarte Lösungen in den Bereichen Mobilität, Energie und Umwelt, Verwaltung, Infrastruktur, Gesundheit und Bildung.

Ulrich Ahle, Fiware Bildquelle: © Fiware

Ulrich Ahle, CEO der Fiware Foundation: "Erfolgreich ist eine Smart City dann, wenn es gelingt, nicht nur Insellösungen zu realisieren. Vielmehr gilt es, die Daten und Services auf einer Plattform zusammenzuführen und für alle nutzbar zu machen."

Ahle: Smart City ist die Digitalisierung sowohl der Abläufe und Prozesse innerhalb der Verwaltung von Städten und Kommunen als auch die Digitalisierung der Services für die Bürger und Besucher einer Stadt. Erfolgreich ist eine Smart City dann, wenn es gelingt, nicht nur Insellösungen zu realisieren. Vielmehr gilt es, die Daten und Services auf einer Plattform zusammenzuführen und für alle nutzbar zu machen. Dabei helfen die Grundkonzepte von Fiware.

funkschau: Gibt es ein Patentrezept für eine Smart City? Oder anders gefragt: Welche Städte haben sich in der Vergangenheit bei der Umsetzung eines Smart-City-Konzeptes besonders erfolgreich hervorgetan und warum?

Wähling: Jede Stadt ist anders – daher kann es auch kein Patentrezept für eine Smart City geben. Entscheidend ist aber, dass Städte ihre Strategie nicht zu kurz denken und alle Lebensbereiche einbeziehen, um letztlich ein ganzheitliches Vorgehen zu ermöglichen. In der aktuellen Untersuchung von Roland Berger sind die Städte Wien, Singapur und Chicago besonders positiv aufgefallen, weil sie mit ihren Maßnahmen strategisch aufgestellt sind und gleichzeitig auch in die IT-Infrastruktur investiert haben.

Ahle: Nach meiner subjektiven Einschätzung müssen wir erfolgreiche Smart Cities leider außerhalb Deutschlands suchen. Die wesentlichen digitalen Leuchtturmstädte in Europa finden sich eher in Spanien, den Niederlanden oder Österreich. Viele davon haben ihre bisherige Digitalisierung basierend auf Fiware realisiert. In der „Open and Agile Smart City Initiative“ sind diese Städte zusammengeschlossen. Mittlerweile handelt es sich um 109 Städte aus 22 Ländern in dieser Initiative – aktuell leider noch keine aus Deutschland.