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TK-Anlagen: Mehr als nur Telefonie

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

TK-Anlage als „Informationsdrehscheibe“

Die Kommunikationsinfrastruktur im Unternehmen muss in Zukunft weit mehr leisten, als nur zu telefonieren und gegebenenfalls zu faxen. Technisch ist mittlerweile viel möglich. Ob Video, Präsenzanzeige, Chat oder die Integration der Systeme in die Prozesse – „es geht um mehr, als nur zu telefonieren oder Nachrichten zu verschicken“, sagt Hickisch. „Es geht darum, die Vernetzung, die Kommunikation und die Kollaboration im Unternehmen zu stärken.“ Welche Funktionen dabei besonders wichtig sind, hänge wiederum von den entsprechenden Gegebenheiten in den Unternehmen ab. Während sich der eine Anbieter für Desktop-Sharing ausspricht, sieht ein anderer den Schwerpunkt eher bei Schnittstellen zu sozialen Netzwerken. Telefonfunktionalitäten wie beispielsweise Autoprovisionierung der Endgeräte sollen laut Stahl heute hingegen zum Standard gehören. Er rückt stattdessem die Nutzerfreundlichkeit der Anlagen in den Fokus: „Denn alle Funktionen sind nur dann interessant, wenn sie sich den Anwendern schnell erschließen“, so der Snom-Manager. „Nur so kann die Anlage die gewünschte Effizienz und Produktivitätssteigerung bringen.“
„Die moderne TK-Anlage wird sich zu einer Informationsdrehschreibe entwickeln – je nach Anlass wählt man exakt den Kanal und das Medium, das man benötigt, um seine Aufgabe am effizientesten zu erfüllen“, prognostiziert Frank Kirsch, Head of Midmarket Germany bei Avaya. Eine wichtige Grundlage schaffe dabei der Wechsel auf IP-Anschlüsse, der es ermögliche, moderne Multimedia-Anwendungen problemlos aufgrund der nahtlosen Verknüpfung zu nutzen. „War ein ISDN-Anschluss noch auf zwei Sprachkanäle, also zwei Gespräche gleichzeitig limitiert, sind die SIP-Anschlüsse des VoIP-Netzes beliebig skalierbar“, erklärt Hickisch. Einzig an der Netzverfügbarkeit scheint es teils noch zu hapern. Denn wo neben Telefongesprächen, die bei VoIP bis zu 150 kBit/s in Anspruch nehmen können, Videokommunikation, Datenaustausch und andere Kanäle genutzt werden, kann der Internetanschluss schnell zum Flaschenhals werden. „Wenn man bedenkt, dass moderne UCC-Systeme erst ab 50 MBit pro Sekunde richtig Spaß machen, dann gibt es definitiv noch zu viele weiße Flecken auf der Breitbandlandkarte“, so Nickenig.  

 

Rudi Stahl Channel Director DACH bei Snom Bildquelle: © Snom

Rudi Stahl, Channel Director DACH bei Snom. “Branchen, in denen Sicherheit eine große Rolle spielt, Banken etwa, sind bei Cloud-Lösungen im Moment eher noch zurückhaltend.“

Zwei Blickwinkel
Es herrscht eine Diskrepanz zwischen Anbietern und Anwendern. Während in vielen Unternehmen selbst nach dem Anschlusswechsel noch ISDN-Anlagen zum Einsatz kommen, drängen die Hersteller zu vernetzten Kommunikationslösungen. „Es geht um ein besseres Miteinander, und das reicht von der Dateiablage über mobiles Arbeiten bis hin zur spontanen Einbindung von Experten in ein Kundengespräch“, erklärt Hickisch von Unify. Eine klassische TK-Anlage allein könne das nicht leisten.
Vernetzte Systeme sollen für Unternehmen hingegen mit klaren Vorteilen einhergehen, TK-Anlagen heutzutage weitaus mehr leisten als nur zu
telefonieren – beispielsweise Funktionen bieten, die eine flexiblere Arbeitsweise erlauben. Für Entscheider empfiehlt es sich, frühzeitig alle Optionen in Betracht zu ziehen. „In einem inhabergeführten Fertigungsunternehmen steht auch heute noch eine kleine TK-Anlage im Serverraum und ein Dect-Telefon auf dem Schreibtisch, während ein mittelständischer Software-Anbieter schon mit Softphones über die Cloud telefoniert“, berichtet Nickenig. „Man merkt aber über alle Unternehmen hinweg eine gewisse Aufbruchsstimmung.“ Die Investitionsbereitschaft sei so hoch wie nie.
Neben der All-IP-Umstellung sorgt auch die wachsende Zahl an Herstellern für Bewegung im Markt. „Im Telekommunikationsbereiche gab es lange Zeit eine Fokussierung auf große Hersteller“, erklärt Erber. „Das bricht auf. Es geht immer mehr hin zu kleinen Herstellern.“ Diese seien oft viel agiler. Erber zieht den Vergleich des großen Dampfers und des kleinen Schnellboots. Für Anwenderunternehmen kann diese Entwicklung nur positiv sein, ergibt sich doch neben der technischen Vielfalt auch ein größeres Produktangebot, aus dem das passende gewählt werden kann. Statt blind zu entscheiden, bleibt es in Anbetracht des großen Angebotes allerdings nicht aus, die Bedarfe im Unternehmen klar und frühzeitig zu definieren.