Sie sind hier: HomeTelekommunikation

Digitalisierung in der Medizin: Gesünder dank Daten?

Der Trend zur Vernetzung erfasst auch die Medizin: Kliniken und Gesundheitskonzerne testen neue digitale Methoden wie die Analyse von Patientendaten. Das soll Forschung und Behandlung verbessern. Doch wer schützt sensible Daten vor Missbrauch?

Telemedizin Bildquelle: © everythingpossible - 123RF

Tabletten, die nach Auflösung im Magen Signale zur korrekten Einnahme senden oder Kontaktlinsen, die stetig den Augendruck messen, um Grünen Star zu verhindern: In der Medizin der Zukunft ist vieles denkbar, was heute wie Zukunftsmusik klingt. Der Heilkunst - bisher wenig von der Digitalisierung umgewälzt - steht ein Wandel bevor. Er birgt Chancen für Patienten, Erleichterungen für Ärzte, Geschäfte für Konzerne, aber auch Risiken beim Datenschutz.

Weltweit werde sich der digitale Gesundheitsmarkt bis 2020 mehr als verdoppeln auf gut 200 Milliarden Dollar (170 Mrd Euro), schätzt die Beratungsfirma Roland Berger. Investoren steckten Unsummen in Wachstumsfirmen, die Gesundheits-Apps fürs Smartphone entwickeln. Sie könnten Blutdruck und Körpertemperatur erfassen, erste Diagnosen erstellen und Besitzern den Arztbesuch empfehlen. Und elektronische Patientenakten könnten Behandlungen verbessern und die Kosten in den Gesundheitssystem mittelfristig um 80 Milliarden Dollar senken, sagt Thilo Kaltenbach, Partner bei Roland Berger.

Die Auswertung von Patientendaten ist eines der wichtigsten Zukunftsprojekte im deutschen Gesundheitssystem. Üppig gefördert mit 150 Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium läuft eine Initiative, mit der Universitätskliniken eines Tages Patientendaten austauschen könnten. Bisher wurden schon Abrechnungsdaten von Krankenkassen analysiert, nicht aber medizinische Daten.

Schon heute produzierten Klinik und Forschung sehr viele Daten, heißt es beim Ministerium. «Immer mehr Röntgenbilder, Arztbriefe oder Laborwerte werden elektronisch erfasst». Die Daten würden aber zu wenig verknüpft. Patienten absolvierten daher oft eine Odyssee bei Ärzten, bis sie die richtige Behandlung erhielten. Oft mangele es an vergleichbaren medizinischen Fällen oder Langzeiterfahrung.

Nun soll eine Brücke zwischen Patientenversorgung und Forschung entstehen. Das Projekt helfe Forschern, ein besseres Verständnis von Krankheiten zu erlangen, das für neue Präventions-, Diagnose- und Therapieverfahren «dringend benötigt wird». Am Ende sollen Kliniken und Ärzte über Schnittstellen auf Patientendaten zugreifen und sich auf alle im Gesundheitssystem wichtigen Daten stützen.

Großbritannien habe mit der Einbindung von Betroffenenkompetenz gute Erfahrungen gemacht, sagt Susanne Mauersberg, Gesundheitsexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband. «Indes wird in der Forschung auch mit Big Data dringend mehr Patientenerfahrung benötigt».