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UCC: Revolution der Nutzer

Kommunikation hat sich mit dem Siegeszug des Smartphones massiv verändert, UC-Funktionen halten aktuell Einzug in die Unternehmen, während mit der IP-Umstellung die technische Basis für diese Anwendungen geschaffen wird.

applaus Bildquelle: © fotolia / oatawa

Die Frage, ob UCC-Lösungen ihren Weg in die Unternehmen finden, wird sich in den kommenden Jahren erübrigen. Das mag wie eine gewagte Prognose anmuten, immerhin sind PC und Telefon an vielen Arbeitsplätzen noch strikt getrennte Werkzeuge, die allenfalls zusammenkommen, wenn sich die Kabel verheddern. Doch der Markt hat sich seit der Zeit grundlegend gewandelt, als „Unified Communications & Collaboration“ als Thema eingeführt wurde und Telefonie- sowie Datenkanäle gänzlich unabhängig voneinander waren. Mitte der 90er-Jahre, als das Internet seinen Siegeszug gerade antrat, das Smartphone noch Handy hieß und längst nicht in jeder Hosentasche zu finden war. Ein Meilenstein des Marktes war die Entwicklung der Lösung „Poet“ für IBM durch das US-amerikanische Unternehmen Thinkrite. Stellten die Entwickler dem IT-Konzern zuvor mit „Realfax“ ein System mit starkem Fax-Fokus zur Verfügung, war Poet schon eine leistungsfähige UC-Lösung, die Silogrenzen überwand und Telefonie, Fax und Textnachrichten für 50.000 Mitarbeiter vereinte.

Poet, aber auch andere Lösungen und Anbieter haben Pionierarbeit geleistet, Kommunikationskanäle vereint, als diese noch parallel zueinander verliefen. Die Prämisse ist heutzutage aber eine andere. Besonders die Umstellung auf IP öffnet dem Einsatz von Unified-Communications-Lösungen Tür und Tor. Die Grenzen sind fließend. Zahlreiche Anbieter von softwarebasierten Telefonanlagen integrieren schon längst entsprechende UC-Funktionen in ihre Anwendungen. Wer Videokonferenzen, Chat oder das Smartphone als Nebenstelle einsetzen will, muss dafür kein selbstständiges System mehr anschaffen und enorme Ressourcen aufbringen. Meist reicht eine schlichte Erweiterung der Lizenz. Die gemeinsame Sprache basierend auf IP sorgt wiederum dafür, dass die technischen Hürden so gering wie möglich gehalten werden. Die Telefonanlagen verfügen darüber hinaus oft schon über entsprechende Schnittstellen, um beispielsweise CRM-Systeme tief in die Anwendung zu integrieren und auf diesem Weg eine einheitliche Nutzeroberfläche zu schaffen. Es ist eine Errungenschaft der vergangenen Jahre, dass viele Anbieter ihre Systeme nicht mehr zu Drittanbietern hin abschotten, sondern mittlerweile die entsprechenden APIs zur Verfügung stellen, um Vernetzung herstellerunabhängig vorantreiben zu können.   

Generationswechsel

„In Deutschland gibt es ein Umdenken“, erklärt Thomas Nicolaus, Vice President Europe bei Lifesize. „Der Nutzer will jederzeit erreichbar sein.“ Das habe nicht zuletzt mit dem Generationswechsel zu tun, der sich in vielen Unternehmen vollziehe. Junge Mitarbeiter würden im Privaten schon auf Dienste wie Skype und Facetime setzen, erklärt Nicolaus im funkschau-Interview. Diese technologischen Anforderungen stelle er dann wiederum an seinen Arbeitgeber. Ein Wandel, den auch Martin Hümmecke, Director Speciality Solutions Germany bei Ingram Micro, zuständig für das UC-Geschäft des Distributors, sieht. „Kommunikation ist ganz anders als früher“, erklärt Hümmecke gegenüber funkschau. „Früher hat man telefoniert, heute setzt man eine Videokonferenz auf.“ Der Kostendruck tue sein Übriges und einige Unternehmen ersetzen Geschäftsreisen mittlerweile durch virtuelle Meetings. Sicherlich, die Industrie bewertet die Marktentwicklung meist positiver als sie in so manch mittelständischer Realität ist. Betrachte man nur die absoluten Zahlen, habe die klassische On-Premise-TK-Anlage weiterhin einen Riesenvorsprung, wie Guido Nickenig, Senior Director Presales DACH bei Westcon, kürzlich gegenüber funkschau erklärte. Und auch die IP-Umstellung läuft längst nicht ohne den einen oder anderen Stolperstein. „Im SMB-Bereich gibt es noch sehr viel Bedarf nach Information“, erklärt Matthias Erber, Senior Manager Unified Communications bei Ingram Micro. Der Umstieg sei anstrengend, viele Projekte wurden immer wieder verschoben und letztes Jahr gab es noch viele Beschwerden über die Funktionstüchtigkeit von SIP-Trunks. „All-IP hat aber ein Momentum erzeugt.“ Allerdings seien UCC-Lösungen oft noch sehr individuell, mit sehr speziellen Anforderungen und einer komplexen Integration. Daher entsteht laut Erber ein Flaschenhals im Channel, da aktuell viele ITK-Partner im Zuge der IP-Umstellung volle Auftragsbücher haben und entsprechende Projekte nur nach und nach angehen können.

Von heute auf morgen entwickeln sich Unified-Communications-Funktionen also nicht zum Standard. Gerade in „inhabergeführten Fertigungsunternehmen“ stehe derzeit noch eine kleine TK-Anlage im Serverraum und ein DECT-Telefon auf dem Schreibtisch, wie Nickenig sagt. „Man merkt aber über alle Unternehmen hinweg eine gewisse Aufbruchstimmung. Woher dieser Aufbruch kommt? Laut Erber ist das das wichtigste UCC-Device das Smartphone. Das mobile Endgerät hat das Kommunikationsverständnis spätestens seit der Einführung des iPhones massiv verändert. Die Frage, wie lange Nutzer am Tag online sind, ist mittlerweile obsolet. Vernetzung und damit auch Kommunikation sind nicht mehr zeit- und ortsgebunden. Online und damit erreichbar sind Nutzer zumindest technisch 24 Stunden am Tag.