Sie sind hier: HomeTelekommunikation

Managed Services: Die Notwendigkeit neuer Sichtweisen

Managed Services verändern die Vorzeichen der IT. Sie bergen in sich das Potenzial, leistungsfähige Lösungen für jedes Unternehmen verfügbar zu machen – steigern aber gleichzeitig die Abhängigkeit von der Technik und transformieren nebenbei die Aufgaben von IT-Administratoren und Systemhäusern.

Löwe Bildquelle: © Norbert Preiß - fs

Noch hat sich das Outsourcen von IT-Infrastrukturen hierzulande nicht gänzlich durchgesetzt. Viele Unternehmen stehen der Cloud und Managed Services nach wie vor skeptisch, in manchen Fällen sogar offen ablehnend gegenüber. Teils ist dabei die Sorge vor Kontrollverlust ausschlaggebend, teils auch die Befürchtung, dass die jeweiligen Daten in die falschen Hände geraten könnten. Die Scheu weicht allerdings zusehends der Neugier und die Zahl der Cloud-Szenarien nimmt stetig zu – sowohl Private als auch Public. Hatten 2015 54 Prozent der deutschen Unternehmen Cloud-Dienste verschiedenster Couleur im Einsatz, waren es 2016 laut einer Bitkom-Studie schon 65 Prozent. „Die Nachfrage ist groß – Managed Services werden für unsere Kunden immer wichtiger“, erklärt Ulrich Müller, Sprecher der Geschäftsführung beim ITK-Dienstleister Operational Services. „Die meisten Unternehmen haben erkannt, dass sie viele Aufgaben guten Gewissens an einen verlässlichen Partner geben können – speziell im Infrastrukturbereich.“

Beworben werden Managed Services vor allem über ihre Skalierbarkeit sowie ihre Leistungsfähigkeit. Sie sollen Unternehmen mehr Bewegungsfreiheit und schnellere Reaktionen auf neue Gegebenheiten ermöglichen – haben darüber hinaus aber nicht nur positive Auswirkungen. „Die Abhängigkeit der Kunden von der Technik ist gestiegen“, erklärt Philip Semmelroth, Geschäftsführer des Systemhauses C&S. Die IT-Dienstleistung rangiere demnach mittlerweile auf der gleichen Ebene wie die Stromversorgung und lasse keine Fehlerakzeptanz mehr zu. Wer seine Telefonanlage als Hosted Service bezieht, der verzichtet im Falle einer Störung nur ungern über Stunden hinweg auf die Telefonie. Wenn sogar das komplette Geschäftsmodell auf einer der bereitgestellten Lösungen fußt, kann schon ein Blackout von einer Minute ein kritischer Einschnitt sein. Das soll sich wiederum auf die Beziehung von Unternehmenskunde zu Systemhauspartner oder Managed Service Provider auswirken. „Wir bekommen gesagt: es muss laufen!“, so Semmelroth im funkschau-Interview. Immerhin sei heutzutage der komplette Alltag der Menschen mit der Technik verzahnt, umso höher die Ansprüche. „Wenn ein Smartphone-Nutzer merkt, dass er offline ist, dann wird er schon kribbelig.“

Vom Techniker zum Consultant

Managed Services bedingen nicht nur eine technische, sondern darüber hinaus einen kulturellen Wandel. Mit der zunehmenden Verfügbarkeit von hoch performanten Lösungen nehme in den Unternehmen die Komplexität der Infrastruktur zu, was wiederum die Kommunikation zwischen der IT-Abteilung und dem Systemhauspartner beeinflusst. „Unsere technischen Kollegen müssen Aufgaben lösen, die man ihnen nicht richtig erklären kann und man muss immer stärker hinterfragen, was der
Kunde eigentlich erwartet“, erklärt der C&S-Geschäftsführer. „Wir müssen daher mehr und mehr beraten. Aus dem Techniker wird ein Consultant.“

Eine Transformation, mit der die Karten auf beiden Seiten komplett neu gemischt werden. In Systemhäusern sind plötzlich neue Fähigkeiten gefragt – statt technischem Tiefgang steht jetzt kommunikatives Geschick ganz oben auf der Stellenausschreibung. Und nicht immer lässt sich dieser Weg mit den bestehenden Mitarbeitern gehen. „Für viele ehemalige Techniker wird es hier keine Arbeit mehr geben“, so Semmelroth. Denn oft könnten sie zwar komplexe Aufgaben lösen, diese aber wiederum nicht erklären. Er vergleicht diese Entwicklung mit Systemgastronomie-Betrieben wie McDonalds: „Heutzutage fragt niemand mehr, wie man eigentlich einen McRip herstellt.“ Die neuen Systemhaus-Mitarbeiter sollen daher teils aus anderen Bereichen kommen als zuvor. Beispielsweise geht Semmelroth davon aus, dass sich eine ehemalige Marketing-Verantwortliche hervorragend für die neuen Herausforderungen eignen würde.

Ein Prozess, der schon längst an Fahrt gewonnen hat und von Tag zu Tag schneller voranschreitet. IT-Dienstleister müssen sich zum „Trusted Advisor“ entwickeln, wie es viele Experten empfehlen und in Hinblick auf die Zukunftssicherheit der Unternehmen fordern. Nur auf diesem Weg, so die einhellige Meinung in der Branche, lässt sich das Systemhaus-Sterben stoppen oder zumindest verlangsamen. Leichter gesagt als getan. Immerhin muss im Team neues Know-how aufgebaut, zusätzliche Soft-Skills ausgebildet werden. Für große IT-Dienstleister aufgrund der vorhandenen Ressourcen kein Problem, kleine Unternehmen mit zehn oder 20 Mitarbeitern können es sich jedoch kaum leisten, Mitarbeiter aus dem Tagesgeschäft zu nehmen, um diese zu schulen. Darüber hinaus bleibt für Semmelroth der Zweifel bestehen, ob sich jeder Techniker zu einem Berater entwickeln kann: „Wir brauchen neue Leute.“

Für Systemhäuser kann diese Entwicklung über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Obwohl viele der IT-Dienstleister aktuell noch viele ihrer Einnahmen über den Hardware-Verkauf generieren, gehen zahlreiche Marktexperten davon aus, dass diese einmaligen Umsätze auf kurz oder lang Bereitstellungsmodellen und damit monatlichen Provisionen Platz machen werden. Ein Weg, den nicht alle Unternehmen gehen können, ist sich Semmelroth sicher. „Viele Geschäftsführer mit technischem Hintergrund sind darauf nicht vorbereitet“, so der Experte im funkschau-Interview. „Die Abläufe werden immer komplexer.“ Das hätte wiederum zur Folge, dass viele Systemhäuser letztlich wegfallen oder aufgekauft würden. „Wenn man nicht absolute Spitze ist, dann wird man von den großen Systemhäusern überholt“, so Semmelroth. Er rät dazu, sich zusehends zu spezialisieren und dieses Wissen auch Mitbewerbern zur Verfügung zu stellen. Aufgrund der stetig zunehmenden Komplexität ist Kooperation statt Wettbewerb gefragt.