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VoIP-Sprachqualität: Der Fehler steckt nicht immer im Netz

Die Sprachqualität von VoIP gilt mittlerweile als sehr hoch. Kommt es dennoch zu Störungen, muss nicht immer der Netz-betreiber verantwortlich sein. Viele Faktoren innerhalb der Unternehmensinfrastruktur beeinflussen, wie gut sich die Gesprächspartner letztendlich verstehen.

Für Störungen muss nicht immer der Netzbetreiber verantwortlich sein. Bildquelle: © fotolia/alphaspirit

Die All-IP-Migration der Deutschen Telekom schreitet voran. Zwar ist es aktuell etwas ruhig um die Umstellungsbestrebungen des Netzbetreibers geworden, das sei laut Klaus Müller, Leiter Strategische Entwicklung und Transformation bei der Telekom, allerdings ein Beweis dafür, dass der Prozess gut vorankomme. „Die IP-Quote liegt aktuell bei über 50 Prozent, diese magische Grenze haben wir Ende des vergangenen Jahres überschritten“, so Müller. Dieser Anteil gilt für die gesamte Kundschaft der Telekom, bei Geschäftskunden liegt die Quote aktuell noch bei 40 Prozent. Müller zeigte sich im funkschau-Interview aber optimistisch, dass im Laufe des Jahres die Hälfte der Unternehmen migriert sein wird.

Laut dem Transformationsleiter der Telekom „gibt es nichts, was auf IP nicht läuft“. Dennoch werden immer wieder Beschwerden aus dem Markt laut, die von Störungen oder Minderungen der Sprachqualität bei der Telefonie berichten. Unliebsame Zwischenfälle, immerhin sollte die Stimme des Gesprächspartners besonders im Geschäftsbereich stets gut zu verstehen sein, gerade wenn jedes Detail zählt. „Einbußen bei der Sprachqualität werden kritischer eingestuft als beispielsweise eine zeitweise reduzierte Bandbreite“, erklärt Bernd Büttner, Director Strategic Marketing bei Bintec Elmeg und Experte beim Thema IP. Das ist nur allzu verständlich. Immerhin reagiert VoIP sensibel auf etwaige Fehler im Übertragungsnetz.
Der Nutzer ist live dabei, kann im Gespräch jede Störung wahrnehmen und ist schnell genervt. Datenübertragung bietet hier letztlich deutlich mehr Spielraum.

Zuverlässige Leitung
Bei Störungen liegt die Annahme nahe, dass das IP-Netz selbst Ursprung des Übels und der schlechten Sprachqualität sein könnte. Allerdings ist dieser erste Verdacht oft von Erfahrungen aus der Vergangenheit geprägt, als die Infrastruktur noch deutlich anfälliger war, ISDN hingegen als die zuverlässige Alternative gehandelt wurde. „In Hinblick auf das Thema ADSL und VDSL hat die Zuverlässigkeit der Leitungen deutlich hinzugewonnen“, so Büttner. „Die Bandbreitenverfügbarkeit hat auch zugenommen.“ Insgesamt habe sich die Wahrscheinlichkeit der Leitung als Fehlerquelle deutlich reduziert.

Wo also den Ursprung der schlechten Sprachqualität suchen? Primär muss die Bandbreite des Anschlusses stimmen. Laut verschiedener Anbieter werden pro Telefonat jeweils rund 150 kBit/s im Downstream und Upstream benötigt. Entscheidend ist, wie viele Telefonate parallel geführt werden. Bei fünf gleichzeitigen Gesprächen sind rund 750 kBit pro Sekunde Voraussetzung – sowohl als Download- als auch Upload-Geschwindigkeit. Der Downstream ist in dieser Betrachtung meist das kleinere Problem, der Flaschenhals entsteht oftmals im Upstream. Laut dem Cloud-Telefonie-Anbieter Fonial beträgt dieser bei vielen Providern rund 380 kBit pro Sekunde und reicht daher gerade für zwei parallele Gespräche aus. Eine entsprechende Leistung muss also von vornherein gegeben sein.

Grundlegender Unterschied zu ISDN: Im Gegensatz zu den ehemals getrennten Netzen werden Telefonie und Daten von E-Mails oder Internet-Downloads bei VoIP über eine Leitung geschickt und empfangen. Lädt der Kollege im Nebenbüro also gerade große Dateien runter, kann das die eigene Sprachqualität negativ beeinflussen. Wichtig sind hier Quality-of-Service-Mechanismen, die Sprachdaten zu jederzeit im Netzwerk priorisieren und somit für eine konstant hohe Qualität sorgen. „Oftmals sind Fehler in der lokalen Netzwerkinfrastruktur zu finden“, so Büttner. „Beispielsweise Netzwerkkomponenten, die kaum oder keine Konfigurationen zur Anpassung von Quality of Service für den Transport von Sprachdaten erlauben.“ Es sollte darüber hinaus das eigene Netzwerk mit Monitoring-Tools geprüft werden, besonders in Hinblick auf Störfaktoren wie Jitter und Paketverlust, die sich durch Unterbrechungen oder Geräusche im Telefonat bemerkbar machen können. Allerdings müssen Unternehmen bedenken, dass ein fehlerfreies Netz letztlich nicht existiert. Bei einem Paketverlust von einem Prozent ist noch von einem hochqualitativen Gespräch die Rede, fünf Prozent sollten allerdings nicht überschritten werden. Allerdings entwickeln auch die VoIP-Anbieter selbst ständig neue Methoden und Funktionen, um etwaige Störungen auszugleichen und die Sprachqualität zu erhöhen.