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Video-Dienste und Konferenztechnik: WebRTC - Hoffnungsträger der Videokommunikation

Videokommunikation im Unternehmenseinsatz hat viel Potenzial, die tatsächliche Verbreitung bleibt aber hinter den Erwartungen zurück. Fehlende Standards und Insellösungen sorgen für Zurückhaltung. Neuen Schub bringt WebRTC mit sich. Der Standard könnte zum Treiber der ganzen UCC-Branche avancieren.

Tablet Bildquelle: © Fotolia / Andrey Popov

Der Markt für Videokonferenz- und Videotelefonie-Systeme ist kurz vor dem Höhenflug – und das seit vielen Jahren. Hersteller und Analysten veröffentlichen in regelmäßigen Abständen Prognosen, die davon künden, wie viel Potenzial dieser Bereich doch hätte und wie stark er in der kommenden Zeit wachsen würde. Die rückblickenden Analysen fallen oft nüchterner aus. Die Nachfrage nach entsprechenden Lösungen blieb die vergangenen Jahre  meist deutlich hinter den Erwartungen zurück, der große Sprung sowie der breit gefächerte Einsatz im Unternehmensumfeld lassen trotz stetigen Wachstums weiterhin auf sich warten.

Und doch hat sich einiges getan in Hinblick auf Videokommunikation, besonders bei den Endanwendern. Spätestens Skype hat der Videotelefonie den Massemarkt geöffnet, mittlerweile ziehen Plattformen wie Facebook, Whatsapp und der Blackberry Messenger nach. Eine Entwicklung, die sich auch auf Unternehmen auswirken dürfte. Denn wie sich am Beispiel von Smartphones gezeigt hat, wollen Mitarbeiter ihre gewohnten Werkzeuge aus dem Privatleben auch im Arbeitsalltag nicht missen.

Gleichzeitig veranschaulichen Facebook und Whatsapp, woran es Business-Lösungen im Gegenzug meist mangelt: hürdenlose Nutzung auf einer standardisierten Basis. Die B2C-Anwendungen haben Hunderte Millionen oder gar Milliarden Nutzer. Zwischen diesen ist ein Videotelefonat, wenn auch nicht plattformübergreifend, mit einem Knopfdruck möglich. Im B2B-Bereich gibt es hingegen unzählige Lösungen, der Markt ist stark fragmentiert, Kommunikation über die Unternehmensgrenzen hinaus ist in vielen Fällen mit Aufwand verbunden, der den schnellen Griff zum Telefon oder zur E-Mail komfortabler gestaltet.

Echtzeitkommunikation über den Browser

Die Hürden der Insellösungen könnte jetzt der Internetriese Google überwinden. Seit 2010 treibt das Unternehmen die Entwicklung und die Standardisierung von WebRTC voran – Web Real Time Communications über den Browser. Dabei handelt es sich um ein offenes Framework, das die grundlegenden Elemente für „hochqualitative Web-Kommunikation wie Netzwerk-, Audio- und Video-Komponenten“ enthält, wie Google erklärt. Da es sich um ein Open Source-Projekt handelt, können andere Entwickler daran teilhaben und eigene Apps sowie Plug-ins für den Standard entwickeln. Aktuell sollen es mehr als 800 Unternehmen sein, die entsprechende Applikationen vorantreiben, darunter Hersteller wie 3CX, Blue Jeans Network, Lifesize, Unify und Viscon. „Mit WebRTC zieht Echtzeitkommunikation in den Webbrowser ein, was vor allem Videokonferenzen, Chat und Desktop-Sharing in Echtzeit ermöglicht“, erklärt Michael Wolfgang, Gründer und CTO bei Visocon, einem Hersteller, der unter anderem Video-Collaboration über die Plattform Xing anbietet. „Für Videokonferenzen ist mit WebRTC keine separate Hardware oder zu installierende Software notwendig, ein geeigneter Browser reicht aus.“

WebRTC stellt einen entscheidenden Schritt dar und einen wichtigen Treiber für den Einsatz von Videokommunikation in Unternehmen. Zum einen wird die Entwicklung entsprechender Anwendungen auf Basis des Standards deutlich vereinfacht. Zum anderen kann komplexe Echtzeit-Kommunikation in quasi jede Webapplikation eingebunden werden, ohne eine eigenständige Software zu benötigen. Die Hürden der Insellösungen würden auf diesem Weg überwunden. „Hauptargument für WebRTC ist die Benutzerfreundlichkeit, also die Möglichkeit, ein Videokonferenz-Tool einsetzen zu können, ohne etwas installieren zu müssen oder einen zusätzlichen Client zu benötigen“, sagt Axel Albrecht, Sales Engineer bei Blue Jeans Network. „Die Einfachheit in Hinblick auf Nutzung und Installation gibt auch Unternehmen mehr Anreize, sich mit Videokonferenzen auseinanderzusetzen.“ Entsprechend groß sei folglich die Nachfrage: Bei Blue Jeans Network greifen prozentual gesehen bereits die meisten Nutzer weltweit via WebRTC auf die Lösung zu. Diese Bedeutung bestätigen auch andere Unternehmen. So sagte 3CX-CEO Nick Galea im funkschau-Interview: „Ohne WebRTC wird Videokommunikation immer klein bleiben.“