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Breitband: Ist Deutschland bereit für die digitale Transformation?

Würde Europa seine Chancen aus der digitalen Transformation nutzen, könnte es seine Wertschöpfung bis 2025 um 1,25 Billionen Euro erhöhen – so hat es die Unternehmensberatung Roland Berger errechnet. Grundlage ist der flächendeckende Aus- und Aufbau leistungsstarker digitaler ITK-Infrastrukturen – auch in Deutschland. Wie sind wir hier aufgestellt? Eine Momentaufnahme.

Bildquelle: © Stefan Schurr - fotolia

Kürzere Innovationszyklen, individuellere Produkte, leistungsstärkere Lieferketten, eine noch besser vernetzte Wertschöpfung, ein grenzenloser digitaler europäischer Binnenmarkt: Der bevorstehende Strukturwandel beinhaltet zahlreiche Chancen für Industrie und Wirtschaft. Will Deutschland daran teilhaben, muss es sein Tempo in punkto digitale Transformation deutlich erhöhen. Auf dem jüngsten „Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft“ der EU-Kommission belegte der Exportweltmeister Platz zehn. Digitale Spitzenreiter dagegen sind Dänemark, Schweden und die Niederlande. In die Bewertung flossen Faktoren wie die gegenwärtige Konnektivität, die Internetkompetenz der Bürger und der Stand der digitalen Technik in Wirtschaft und Verwaltung ein.

Dreh- und Angelpunkt für die deutsche „Future Readyness“ sind leistungsstarke digitale ITK-Infrastrukturen. Bis 2018 strebt die Bundesregierung für ganz Deutschland ein bis zu 50 MBit/s schnelles Internet und eine flächendeckende Breitband-Versorgung an. In seiner aktuellen Kostenstudie für das Bundeswirtschaftsministerium hat TÜV Rheinland einen Kostenaufwand in Höhe von zirka 20 Milliarden Euro errechnet. Immerhin: Bis heute sind in Deutschland mehr als 66 Prozent der 50 MBit/s-Anschlüsse realisiert, allerdings ist das letzte Stück des Weges das kostenintensivste. Allein die Versorgung der letzten fünf Prozent der Haushalte schlägt mit rund acht Milliarden Euro zu Buche – das sind 40 Prozent der notwendigen Investitionskosten. Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einem Programm für die Ausbauförderung. Mit einkalkuliert sind potenzielle Einnahmen aus der Versteigerung der Digitalen Dividende II (die Frequenzen des einstigen Fernsehstandards DVB-T) in Höhe von 1,5 bis 13 Milliarden Euro, die ab Ende Mai 2015 starten soll.

Hinzu kommt eine weitere Herausforderung: Alle Bundesländer haben mittlerweile Initiativen zur Förderung des Breitbandausbaus gegründet, und viele von ihnen sind bereits in der Umsetzung ihrer Programme begriffen, mehrere auch in Begleitung von TÜV Rheinland. Die Experten für Telekommunikation, Breitband und Glasfaser unterstützen Bundesländer, Landkreise und Kommunen seit Jahren in der Entwicklung ihrer digitalen Zukunftsstrategie sowie in der Identifizierung von Pilot- und Forschungsprojekten. Sie haben Erfahrung in der Erarbeitung geeigneter ITK-Infrastruktur-Strategien und -Lösungen sowie in der Auswahl passender Förderprogramme. Wünschenswert wäre ein flächendeckender Netzausbau in Deutschland, um die riesigen Datenströme zu bewältigen, die spätestens mit den Bandbreiten im GBit/s-Bereich auf uns zukommen. Diese Bandbreiten sind erforderlich, um Cloud-Anwendungen für Smart-Home zu realisieren oder auch, um den Anforderungen im Umfeld von Industrie 4.0 gerecht zu werden. Allein 2018 soll sich das Datenvolumen im Festnetz mehr als verdoppeln, so die Schätzungen vom Netzwerkspezialisten Cisco.

Mobilfunknetze rücken näher an den Kunden heran

Noch deutlich größer wird der Kapazitätsbedarf im Mobilfunk sein. Der Traffic wird sich hier nach Ansicht der Experten in den nächsten drei Jahren um das Elffache erhöhen. Mobilfunkbetreiber müssen die bestehenden Mobilfunknetze mit Hochdruck erweitern beziehungsweise Standorte technisch aufrüsten. Zu den Trends, die TÜV Rheinland als Konzept-, Netzplanungs- und Rollout-Partner der Mobilfunkbetreiber aktuell beobachtet, zählt neben der Anforderung, immer schneller neue Standorte zu finden und in Betrieb zu nehmen, unter anderem eine verstärkte Verdichtung der Mobilfunknetze hin zu immer kleineren Zellen. Diese rücken immer näher an den Kunden heran, um voraussehbare oder bereits bestehende Kapazitätsengpässe zu überbrücken. Die Small-Cells-Technologie ist eine kostengünstige und effektive Lösung, die gezielte Zusatzkapazität in Bereiche eines Mobilfunknetzes mit hohem Verkehrsaufkommen (Hotspots) ermöglicht. Eine der künftigen Fragen wird sein, wie sich in heterogenen Netzen Small- und Macro-Cells künftig miteinander kombinieren lassen, um den dynamischen Kapazitätsbedarf bedienen zu können.

Weil auch die bereits bestehenden Netze an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, erleben wir in der Praxis eine stetige Verkürzung der Netzumbau- und Ertüchtigungszyklen: Das bedeutet einen erhöhten Beratungsbedarf in Bezug auf die neueste und effizienteste Technologie, einen verstärkten Wartungs- und Instandhaltungs-Aufwand seitens der Netzbetreiber und einen erhöhten Personaleinsatz auf Seiten der Dienstleister. Vor diesem Hintergrund gewinnen Themen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes im Mobilfunk immer mehr an Relevanz.