Sie sind hier: HomeTelekommunikation

Quality-of-Service: Mit Lync-Tools die Sprachqualität im Griff

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

QoS – Die Bandbreite entscheidet

Die wichtigsten Qualitätsfaktoren bei Voice-over-IP Bildquelle: © Net at Work

Die wichtigsten Qualitätsfaktoren bei Voice-over-IP

Ob die Werte für Latenz, Jitter und Paketverlust in einem Netzwerk gut oder schlecht sind, hängt also zuvorderst von der verfügbaren Bandbreite ab: Ist diese knapp bemessen, kommt es zwischen den Paketen zwangsläufig zu Staus und Wartezeiten. Ist sie ausreichend, geht der Traffic zügig und gleichmäßig über die Leitung. Doch wie viel ist ausreichend?

VoIP im LAN: Im Schnitt erfordert die Audioübertragung eines Sprachkanals unidirektional eine Bandbreite zwischen 40 und 160 kBit/s, wobei der genaue Wert primär davon abhängt, ob und mit welchem Verfahren die Sprachdaten komprimiert werden. Im unternehmenseigenen LAN ist die Übertragung der Telefongespräche also in aller Regel kein allzu gravierender Faktor.

Weder in KMU, in denen typischerweise 100 MBit/s oder mehr für eine Handvoll gleichzeitiger Telefonate bereitstehen, noch im Enterprise-Umfeld, in dem die Zahl der Gespräche zwar ungleich höher ist, aber auch die Bandbreite meist in Gigabit gemessen wird. Hinzu kommt, dass das IT-Team im LAN eine Vielzahl von Möglichkeiten hat, den VoIP-Traffic zu klassifizieren und zu priorisieren – und damit auch in Peak-Zeiten gut gegen Qualitätseinbrüche geschützt ist.

An dieser Stelle ein Tipp aus der Praxis: Kommt es im LAN nach der Einführung von Lync tatsächlich zu einem Absinken der Sprachqualität, liegt dies häufig daran, dass die virtuellen Switches in vorhandenen Hyper-V-Netzwerken durch den zusätzlichen VoIP-Traffic überlastet sind. In diesem Fall lohnt es sich, auch intern die im Folgenden beschriebenen QoS-Mechanismen zu implementieren. Alternativ lassen sich even-tuell vorhandene 10-Gigabit-Switches über die NPAR-Funktion in mehrere virtuelle Switches aufsplitten, um lokale Flaschen-hälse zwischen VMs zu vermeiden.

VoIP im WAN: Ganz anders präsentiert sich die Situation, wenn der Lync-Server auch für die standortübergreifende Telefonie über ein vorhandenes WAN eingesetzt werden soll. Zum einen, weil die Bandbreite eines WAN-Trunks in den meisten Unternehmen deutlich geringer ist als die im Ethernet. Und zum anderen, weil der WAN-Trunk nicht vom eigenen IT-Team, sondern von einem oder mehreren Providern gemanagt wird – und damit viele an sich wirkungsvolle Steuermechanismen nicht verfügbar sind. Einfachstes Beispiel ist das Taggen von Sprachpaketen, um diese zu priorisieren. Im LAN ist das ein probates Mittel, um den VoIP-Traffic zuverlässig zuzustellen. Doch sobald die Pakete an einen Internetprovider übergeben werden, verwirft dieser in der Regel den Tag. Nur eigene VoIP-Angebote des Providers werden natürlich so gesichert. Und das ist auch durchaus nachvollziehbar: Wäre diese Form der Priorisierung auch auf einem einfachen DSL-Anschluss wirksam, würde es nicht lange dauern, bis alle Pakete im Internet einen entsprechenden Tag trügen.

Dies alles führt schließlich dazu, dass bei der Telefonie über das öffentliche Internet wesentlich schwerer eine gleichbleibend hohe Sprachqualität zu gewährleisten ist. Zwei Best Practice-Verfahren haben sich dafür etabliert:

  • Das A und O ist es, die Sprachdaten mithilfe eines geeigneten Codecs zu komprimieren. Standardmäßig kommen heute im WAN komprimierende Codecs – zum Beispiel „RTAudio“, „SILK“, G.723.1, G.729 oder ähnliche – zum Einsatz, da sie die Bit-rate nachhaltig senken, ohne die Sprachqualität über Gebühr zu beeinträchtigen. Einige davon sind allerdings lizenzpflichtig, so dass nicht immer der beste Codec implementiert wird.
  • Idealerweise werden die Signalisierungs- und Sprachdaten als solche gekennzeichnet und im Provider-Vertrag in Form verbindlicher SLA priorisiert. Dies funktioniert natürlich nur, wenn der gewählte WAN-Anschluss eine solche Priorisierung unterstützt, wie dies etwa bei einem MPLS-basierten Netz der Fall ist. Die meisten großen Provider bieten für ihre Business-Produkte inzwischen solche VoIP-Optionen an.

So sehr sich diese beiden Ansätze bewährt haben, werden sie den hohen Anforderungen in modernen Business-Umgebungen allerdings nicht dauerhaft gerecht. Spätestens wenn die Teilnehmerzahlen steigen oder zusätzliche Echtzeit-Anwendungen wie Conferencing integriert werden, stoßen Komprimierung und Klassifizierung an ihre Grenzen. Dann kommen die IT-Abteilungen nicht umhin, die QoS über kurz oder lang durch ein Aufbohren der Bandbreite zu optimieren.