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M2M-Markt: "Im Prinzip ist heute alles machbar"

Fortsetzung des Artikels von Teil 2.

Das Internet of Things ist technisch leicht realisierbar

Jürgen Hase, 2. Vorsitzender der M2M Alliance Bildquelle: © M2M Alliance

Jürgen Hase, 2. Vorsitzender der M2M Alliance

Jürgen Hase, 2. Vorsitzender der M2M Alliance: "Der Grundstein wurde längst gelegt, doch Fahrt aufgenommen hat M2M-Kommunikation vor allem, seitdem sich Maschinen zu einem großen Netzwerk verknüpfen lassen. Das Internet-of-Things (IoT) ist mehr als M2M im klassischen Sinn. Es verknüpft unterschiedlichste Datenquellen und verbindet sie über weitere Logiken zu ganz neuen Anwendungen. Letztendlich wird unser berufliches wie auch privates Leben digitalisiert und zunehmend verknüpft.

Gefördert wird dieses beispielsweise durch Schlüsselinitiativen wie Industrie-4.0 oder auch die europäische „Smart Cities“-Initiative, die eine deutlich erhöhte Sichtbarkeit für die Vorzüge dieser Technologie im Markt erzeugen. Das IoT wird technisch leicht realisierbar und durch zunehmende Standardisierung etwa bei Mobilfunk, IPV6, Java sowie in anderen Bereichen hoch skalierbar und damit günstig und weltweit verfügbar.

Im Bereich Automotive sind M2M und IoT derzeit das Thema schlechthin. Hier werden wir schon bald viele neue globale Anwendungen erleben. Anwendungen in anderen Bereichen sind häufig nicht weltweit, sondern derzeit eher kontinentalweit sehr erfolgreich wie zum Beispiel Smart-Metering in Asien und vielen Regionen Europas. Die USA sind bei Healthcare tonangebend, während Europa sehr erfolgreich ist hinsichtlich Industrieautomation jeglicher Art sowie zunehmend im Bereich Smart-Cities. Regionen wie der Mittlere Osten oder auch Afrika werden in ihrem Potenzial häufig unterschätzt, obwohl sie sich äußerst positiv entwickeln und heute schon gute Wachstumszahlen beim Einsatz von M2M aufweisen.

M2M im Massenmarkt ist derzeit klar getrieben durch die USA. Dazu gehört unter anderem der Bereich Gesundheit in jeder Form, also sowohl der Healthcare- als auch der Fun-, Fitness und Sport-Bereich. Machbar ist faktisch alles, da entsprechende Sensoren und Technologien verfügbar sind und immer preiswerter werden. Systemverfügbarkeit und Energie-effizienz beim Einsatz in Unternehmen sind ebenso treibende Kräfte wie Design und Coolness im Consumer-nahen Umfeld.

Interessant sind dabei ähnliche Tendenzen, wie man sie bei der Entwicklung von Smartphone-Apps beobachten kann, nämlich die Nutzung von Crowd-Wissen in der Anwendungsentwicklung. Bekanntestes Beispiel ist Apple mit seinem App-Store. Apple entwickelt die Apps nicht selbst, sondern stellt vielmehr eine Entwicklungs- und Vermarktungsumgebung zur Verfügung (Enabler-Ansatz) und sorgt damit für Vielfalt und Verbreitung. Für M2M sehe ich eine vergleichbare Entwicklung hin zu downloadbaren M2M-Applikationen.

Zu den Knackpunkten, an denen noch gearbeitet werden muss, gehören die hohe internationale, also möglichst globale Systemverfügbarkeit mit klar definierten Service-Level-Agreements (SLAs) im Geschäftskundenumfeld. Außerdem kommt jegliche Form von Security und Privacy auf allen Layern eines M2M-Stacks hohe Bedeutung für die Akzeptanz zu sowie die Entwicklung neuer Business-Modelle unter Verwendung von B-2-B-, B-2-B-C- und B-2-C-Ansätzen. Aus europäischer Sicht sehe ich besondere Herausforderungen bei den Themen Big-Data und Data-Analytics. Hier müssen die Anbieter noch einige Klippen umschiffen. Nur wenn die abstrakten Begriffe mit konkretem Nutzen und Mehrwert erlebbar gemacht werden, wird der damit erzielbare Mehrwert auf gesellschaftliche Akzeptanz stoßen.

Ziel muss es nun sein, die positive Gesamtentwicklung im Bereich M2M fortzusetzen. Dafür gilt es die Grundlagen zu schaffen, wie weitere Standardisierungen beziehungsweise die Einführung von Defacto-Standards oder das Kreieren einer Open-Architecture-Kultur, um skalierbare horizontale Plattformen bereitzustellen, auf denen Partner ihre Anwendungen anbieten können. Auch der weiteren Miniaturisierung auf der Device-Seite inklusive Low-Power-Technologien kommt eine wichtige Rolle zu.

Aus Sicht von M2M-Anbietern ist es erforderlich, dass für den Markt global verfügbare Systeme mit höchsten Sicherheitsanforderungen und klaren Schnittstellen zu Marktpartnern bei höchster Skalierbarkeit auf allen Layern entwickelt werden. Das erfordert proaktives Handeln in allen vertikalen Ziel-Märkten sowie mit Partnern aus den Bereichen Software, Hardware und Netzen sowie mit Verbänden und Normungs-Organisationen. Aus Anwendersicht steht im Vordergrund, vertrauensvolle Partner zu finden, mit denen eine nachhaltige Möglichkeit zum Einstieg in M2M und zur Weiterentwicklung zum IoT möglich ist. Kurzum: zuverlässige Partner, mit denen gemeinsam neue Wege gegangen werden können."