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Ingenieure und Sabbatical: Auszeit nehmen, aber wie?

Berufliche "Sinnkrisen" kennt jeder, ein Sabbatical kann sinnvoll sein, um den eigenen Lebensweg neu zu definieren oder sich Zeit freizuschaufeln für Herzensprojekte. Die Umstände dafür werden günstiger: Da immer mehr Ingenieure auch länger als zwei Monate in Elternzeit gehen, bekommen Unternehmen Routine darin, wie sie diese Abwesenheiten auffangen.

Bildquelle: © Ingenieure ohne Grenzen

Auszeit fürs Ehrenamt? Die Ehrenamtlichen von Ingenieure ohne Grenzen planen und finanzieren selbstständig ihre Reise ins Ausland, manchmal springen auch die Arbeitgeber ein. Mareike Jenne flog nach Kenia um die dortige Regenwassernutzung zu verbessern.

Oihan G., Berechnungsingenieur aus München, sagte vor über einem Jahr »Servus« zu seinen Chefs. Ein Weißwurstfrühstück zum Abschied und einen Link zu seinem künftigen Reiseblog für ein paar auserwählte Kollegen, das war‘s dann mit dem Job im Ingenieurbüro in Karlsfeld bei Dachau. Wohl oder übel haben die drei Firmengründer und Geschäftsführer seine Kündigung akzeptiert und ihn gehen lassen. Persönlich war es ohnehin keine Frage, die Bewunderung für seinen Mut und vielleicht auch ein wenig Neid schwangen dabei mit. Fachlich aber schlug der Abschied des erfahrenen G. eine empfindliche Lücke in das 20-Mann-Unternehmen.

Seitdem fährt G. durch die Welt – auf dem Fahrrad. Über 30.000 Kilometer sind seitdem zusammengekommen, von München über Hamburg, Großbritannien, Kanada, USA, Mittel- und Südamerika, Australien, Japan, Korea und China ging bislang die Reise, ein Ende ist noch nicht in Sicht, zumindest aber reift langsam die Entscheidung, am Ende wieder in München landen und als Berechnungsingenieur weiter arbeiten zu wollen.

Was der gebürtige Spanier seit über einem Jahr praktiziert, ist ein alter Angestellten-Traum, einfach mal raus hier, abhauen, ganz was anderes machen, weg vom Schreibtisch, hin zu Sinnsuche und Freiheit.

Ein subjektiv empfundenes Gefühl von Überlastung und »Burnout« ist oft der Hintergrund, weiß Sabine Prohaska, Inhaberin des Trainings- und Beratungsunternehmen »seminar consult prohaska« aus Wien. »Du musst mobil sein, stets erreich- und ansprechbar, mehr Eigenverantwortung zeigen - mit solchen Anforderungen werden Arbeitnehmer heute zunehmend konfrontiert – beruflich und privat.«

Die Folge: Sie führen oft ein Leben im High-Speed. Und zunehmend verstärkt sich in ihnen das Gefühl: Ich bin nicht mehr Herr meiner Zeit. Ich werde zunehmend fremdbestimmt. Doch: »Wer nur noch funktioniert, verliert irgendwann die Balance im Leben. Er schlittert fast zwangsläufig in eine Krise – körperlicher oder psychischer Art.«, sagt Prohaska. Mit einem Sabbatical lässt sich die Balance häufig erfolgreich nachjustieren.

Doch nicht immer muss eine Dysbalance im Leben hinter dem Wunsch nach Auszeit stecken. Immer häufiger sind es zufriedene und beruflich erfolgreiche Menschen wie Oihan G., die sich eine Auszeit leisten wollen und können. Die Flexibilisierung von Arbeit durch Projektierung und Externalisierung macht es für viele möglich, Wochen, Monate bis Jahre aufzuteilen in Arbeitszeit und Freizeit. In der Regel sind solche Menschen allerdings selbstständig oder finanziell weitgehend unabhängig.

Zu viel Luxus? Und was ist mit der Karriere? Prohaska macht Mut: »Solche Auszeiten sind keine verlorene Zeit. Das zeigt die Erfahrung. Sie wirken sich meist auch positiv auf den beruflichen Erfolg aus.«

Neben den Grundvoraussetzungen für ein Sabbatical sollte auch an das »Danach« gedacht werden. Was passiert, wenn ich wieder da bin? Was in der Zeit, in der ich »dann mal weg« bin? Kann der Arbeitnehmer nahtlos an seine bisherige Tätigkeit anknüpfen, muss er nach seiner Rückkehr wechseln, oder droht gar ein Karriereknick?