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Trotz Hype: Internet der Dinge lässt noch viele Fragen offen

Das Internet der Dinge verspricht langfristig eine Steigerung von Wirtschaftlichkeit, Leistungsfähigkeit, Komfort, Sicherheit und Produktivität in vielen Bereichen des Alltags und der Wirtschaft - in Smart-Home, Industrie 4.0 oder Assisted-Living soll es Sinnvolles leisten. Das jedenfalls ist die Theorie: in der Praxis gibt es allerdings noch zahlreiche Herausforderungen, die Wirtschaft, Politik und Verbraucher gemeinsam bewältigen müssen.

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Technische Herausforderungen

Wenden wir uns zunächst einigen technischen Grundvoraussetzungen zu. Eine wichtige ist zum Beispiel die Energieversorgung der Dinge, die nicht direkt an eine dauerhafte Stromversorgung angeschlossen sind wie zum Beispiel vernetzte Textilien, sogenannte Wearables. Konzepte wie Energy-Harvesting, also das „Ernten“ von Umgebungsenergie (Wärme, Licht, kinetische Energie) sind hier spannende und Erfolg versprechende Ansätze. Die Halbleiterindustrie forscht zudem an der Entwicklung von Geräten mit minimalem Energieverbrauch. Ein weiterer Knackpunkt sind einheitliche Protokolle und Standards für den Datenaustausch, auf die sich die Industrie noch nicht einigen konnte. Statt einer einheitlichen Protokollschicht kursieren konkurrierende und teils inkompatible Standards wie zum Beispiel WLAN, Bluetooth oder ZigBee. In diesem Zusammenhang ist auch das Internetprotokoll IPv4 zu nennen, das zum Hemmschuh werden könnte. Erst eine flächendeckende Verbreitung von IPv6 wird das Internet der Dinge richtig vorantreiben können.

Darüber hinaus spielt die Informationssicherheit eine zentrale Rolle. Es geht dabei zum einen um den Transportweg, den die Informationen vom Sensor oder Gerät bis zum Speicher zurücklegen. Hier ist eine lückenlose Verschlüsselung notwendig. Vorfälle wie jüngst die Sicherheitslücke Heartbleed bei OpenSSL zeigen, dass auch als sicher geltende Standards Schwachstellen enthalten können. Auch Aspekte wie Authentifizierung und Autorisierung sind zentral in diesem Zusammenhang. Auch und erst recht im Consumer-Bereich, wenn es um die Vernetzung und Steuerung von Hausgeräten geht. Zum anderen muss die Sicherheit der Speicher selbst diskutiert werden, also in privaten oder öffentlichen Rechenzentren oder auf Home-Servern. Daten sind in den eigenen vier Wänden oder innerhalb eines Unternehmens zwar nicht unbedingt sicherer als bei einem externen Anbieter oder in der Cloud. Ihre Sicherheit lässt sich dort jedoch einfacher kontrollieren, zum Beispiel ob Sicherheitsupdates eingespielt wurden, die Software auf dem aktuellsten Stand ist usw. Bei einem externen Anbieter geht man zwar davon aus, Kontrolle wird dabei jedoch ersetzt durch Vertrauen.

Entwicklung im Spannungsfeld zwischen Sicherheit, Einfachheit und Schnelligkeit

Darüber hinaus bewegt sich das Internet der Dinge noch in einem anderen Spannungsfeld. Einerseits sollen die Geräte offen sein für die Vernetzung, dabei ein Höchstmaß an Datenschutz und -sicherheit bieten. Andererseits sollen sie in ihrer Bedienbarkeit von der Inbetriebnahme bis hin zur Wartung einfach, preislich günstig und dazu auch noch kompakt und handlich sein. Und natürlich sollen immer mehr Geräte immer schneller auf den Markt gebracht werden. Dadurch werden Entwicklungszeiten immer kürzer, worunter oft das Qualitätsmanagement leidet, wenn beispielsweise billige oder nicht ausreichend geprüfte Komponenten verwendet werden. Es ist also notwendig, die Verbraucher zu sensibilisieren und Instanzen einzuschalten, die beispielsweise neue Geräte auf Datensicherheit überprüfen und Sicherheits-Zertifikate ausstellen. Für Hersteller bedeutet dies, neue Geschäftsfelder für hardwarenahe Programmierung zu schaffen und das Qualitätsmanagement noch ernster zu nehmen.