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TK-Infrastruktur-Management: Netzbetreiber ist nicht gleich Netz-"Betreiber"

Der Begriff „Mobilfunk-Netzbetreiber“ darf in Deutschland nicht unbedingt wörtlich genommen werden. Denn streng genommen kann sich lediglich noch die Telekom als Netz-„Betreiber“ im wahrsten Sinne des Wortes bezeichnen. Alle anderen Carrier haben das Management ihrer Netz-Infrastruktur weitestgehend ausgelagert.

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Zwar liegen die Netze der Telefónica, Vodafone und E-Plus an sich sowie die wichtigen strategischen Geschäftsbereiche der Netzplanung und -entwicklung weiterhin in der Gesamtverantwortung der jeweiligen Anbieter. Um den technischen Betrieb jedoch, den Bau und die Installation von Mobilfunk-Basisstationen, die Überwachung, Wartung und Reparatur von technischen Komponenten kümmern sich seit Jahren spezialisierte Dienstleister.

Auslagerung des Netz-Managements – E-Plus als Vorreiter  

Als erster deutscher Mobilfunkanbieter und einer der ersten Carrier in Europa legte E-Plus den Betrieb seines Netzes in fremde Hände: Um die Instandhaltung und den Ausbau des Netzes kümmerte sich seit 2007 der französisch-amerikanische Netzwerkausrüster Alcatel-Lucent. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona im Februar wurde nun der Partnerwechsel zum Mobilfunk-Ausrüster und -Endgeräte-Hersteller ZTE Services Deutschland bekannt gegeben, der den bisher für den E-Plus-Netzbetrieb zuständigen Unternehmensteil von Alcatel-Lucent übernommen hat. ZTE verantwortet nun den Roll-Out und den Netzbetrieb des E-Plus-Netzes. Der Managed-Services-Vertrag zwischen der E-Plus Gruppe und ZTE ist laut eigenen Angaben einer der umfangreichsten seiner Art in Europa.

Auch wenn die anderen deutschen Anbieter zu Anfang noch argumentierten, nur durch den Eigenbetrieb könne für die Qualität des Netzes garantiert werden, dauerte es nicht lange, bis auch Telefónica und Vodafone nachzogen. So gab Telefónica 2010 Netz-Wartung und -Service an den chinesischen Netzwerkausrüster Huawei, Vodafone arbeitet mit Huawei und Ericsson zusammen. Die Auslagerung der Netzwartung an Ericsson begründete der Düsseldorfer Netzbetreiber damals mit steigenden Anforderungen und dem bald beginnenden Einsatz des neuen Mobilfunkstandards LTE. Der Bereich der Wartung sollte an einen Netzwerkausrüster vergeben werden, der ohnehin auch die LTE-Ausrüstung für die Netze liefere. 

Übernahme E-Plus durch Telefónica

Eine Fusion von Telefónica und E-Plus würde laut Analysten Synergien von rund 5,5 Milliarden Euro ermöglichen, da der teure Unterhalt zweier Netze entfällt. Die spannendste Frage rund um die mögliche Übernahme dreht sich derzeit sicherlich darum, wie sich die Übernahme auf den Wettbewerb in Deutschland auswirken würde. Hinsichtlich des Netz-Managements darf indes spekuliert werden, ob der Telefónica-Hauptausrüster Huawei dann tatsächlich das neue gemeinsame Netz übernehmen wird. Eventuell werden nach einer Übernahme zunächst noch einmal die Qualität und Kosten der beiden Netze auf den Prüfstand gestellt, so dass der Ausrüster des als „besser eingestuften“ Netzes künftig das komplette Netz betreiben darf.