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Business Talk WLAN: Es gilt, Mehrwerte zu bieten

Aktuelle Ereignisse treiben momentan verstärkt den WLAN-Markt: darunter Störerhaftung, Standardisierung, die richtige Vermarktung. Hersteller und Anbieter diskutierten im Business Talk WLAN Mitte Mai über Status quo und Zukunft der vielseitigen Schnittstellentechnologie.

Die Expertenrunde Business Talk WLAN Bildquelle: © funkschau

Die Expertenrunde (v.l.n.r.), bestehend aus den Unternehmensvertretern Hans-Dieter Wahl (Bintec Elmeg), Michael Himmels (Devolo), Axel Simon HPE/Aruba), Jens Geider (Siemens), Michael Fränkle (M-Net) und Martin Krebs (Lancom Systems) sowie den Redakteuren der funkschau, in den Räumen der WEKA FACHMEDIEN.

Der Termin für den Business Talk WLAN war glücklich gesetzt: Einen Tag vor dem Roundtable verbreitete sich die Nachricht, dass sich Union und SPD beim Dauerstreitthema Störerhaftung geeinigt hätten. Eine Änderung des entsprechenden Gesetzes sei angestrebt. Diese sieht angeblich vor, dass nun auch private und nebengewerbliche Anbieter, wie ein Café-Betreiber, das sogenannte Providerprivileg der gewerblichen Anbieter genießen dürfen. Sie müssen ihr WLAN nun nicht mit einer Vorschaltseite oder mit einem Passwort sichern. Das Gesetz könnte unter günstigen Bedingungen bereits ab Herbst in Kraft treten und offene Hotspots in Deutschland Realität werden lassen.

Hans-Dieter Wah, Bintec Elmeg Bildquelle: © funkschau

Hans-Dieter Wahl, Business Line Manager WLAN bei Bintec Elmeg: "Ob es weiter Abmahnungen geben wird? Sagen wir mal so: Die Anwälte sind schlau – und wollen Geld verdienen."

Ein Grund zum Jubeln, sollte man meinen. Wird doch die Störerhaftung als Hauptgrund dafür angesehen, dass Deutschland im internationalen Vergleich in Sachen Hotspots stark hinterherhinkt.  Die Angst vor potenziellen Abmahnungen war bisher ein großer Stolperstein – vor allem für kleinere Betreiber. Das soll nun entfallen. Doch Abwarten lautet die Devise. So zumindest der einstimmige Tenor der Teilnehmer des Business Talks. Noch sei nichts entschieden und auf Papier gebracht. „Die Frage ist jetzt: Was bedeutet Hotspot in Zukunft?“, gibt Martin Krebs, Director Product Management bei Lancom Systems, zu bedenken. „Heißt das, die Bundesregierung erlaubt, die SSID (Anm. d. Red.: Service Set Identifer, Netzwerkname) offen zu lassen? Wir glauben nicht. Wirklich interessant sind Hotspot-Funktionalitäten wie Landing-Pages, Weiterleitungsseiten und Anmeldungsverfahren, welche einen großen Wert haben werden.“ Es geht nun nicht mehr nur darum, vor Abmahnungen zu schützen, sondern Mehrwerte zu bieten.

Die aktuellen Ereignisse bergen großes Potenzial. Zwar haben die größeren Betreiber in Sachen Gratis-WLAN bereits reagiert und für sich annehmbare Lösungen integriert, „aber die breite Masse, dieser typische kleine Mittelstand, ist aus meiner Sicht noch nicht erschlossen“, sagt Michael Himmels, VP Business Solutions bei Devolo. Denn für kleinere Betreiber wie Café-Besitzer war die Angst vor eventuellen Abmahnungen bis dato der größte Hemmschuh bei der Realisierung eines Gratis-WLANs.

„Wenn es um Absicherung von WLAN-Netzen geht, wird man hier bei unsicheren Betreibern Aufklärungsarbeit leisten müssen“, prophezeit Hans-Dieter Wahl, Business Line Manager bei Bintec Elmeg. Wenn es andererseits um Beratung bezüglich rechtlicher Rahmenbedingungen geht, gestaltet sich dies schon schwieriger. Gerade als Hersteller sei es hier nicht immer leicht, Aufklärung zu leisten, sagt Axel Simon, Chief Technologist bei HPE Aruba: „Wir sind weder Anwälte noch Unternehmensberater. Wir liefern lediglich die technischen Lösungen, die innerhalb rechtlicher Rahmenbedingungen funktionieren müssen.“

Business Talk WLAN Bildquelle: © funkschau

v.l.n.r.: Hans-Dieter Wahl von Bintec Elmeg, funkschau-Chefredakteur Stefan Adelmann, funkschau-Redakteurin Diana Künstler und Michael Himmels von Devolo

Neben dem Thema Störerhaftung kristallisierte sich während des Gesprächs ein weiterer Faktor heraus, der in der Vergangenheit der Verbreitung offener WLANs in Deutschland, aber auch der Digitalisierung in Unternehmen generell, im Wege stand: die „German Angst“. „Vielleicht liegt es an der Unsicherheit im Umgang mit Internet“, wagt Michael Fränkle, technischer Geschäftsführer bei M-Net, einen Erklärungsversuch. „Persönlich ist es relativ unbegründet, aber es handelt sich um eine komplexe, intransparente Wirkkette, die da ausgelöst wird. Um uns herum entstehen Geschäftsmodelle, bei denen Kundendaten versteckt ausgelesen werden – da kommt schon ein gewisses Misstrauen der breiten Masse zutage. Der klassische Nutzer hat keine Transparenz.“ Und diese zu schaffen, das liege in der Verantwortung von Service Providern für digitale Angebote, so Fränkle. Allerdings muss man hier auch differenzieren zwischen Privat- und Geschäftskunden, ergänzt der technische Geschäftsführer. Geschäftskunden seien naturgemäß sehr vorsichtig, vor allem wenn es um sensible Daten geht.