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Roundtable WLAN: Die perfekte Welle

Ein neuer Standard, höhere technische Anforderungen im Unternehmensumfeld und neue Geschäftsmodelle treiben den WLAN-Markt. Doch welcher Standard ist im individuellen Fall geeignet, welche Sicherheitslücken gilt es aus der Welt zu schaffen und inwieweit gibt es adäquate Business-Cases? Diesen und weiteren Fragen haben sich Branchenexperten im Rahmen des funkschau-Roundtables WLAN gestellt.

Offener Schlagabtausch: (v.l.) Moderatorin Claudia Rayling im Gespräch mit Harald Röder, Tabatha von Kölichen (beide Meru Networks), Aurel Takacs (Sysob), Willi Dütsch (Xirrus), Dirk Treue (Bintec Elmeg) und Eric Weis (funkschau). Bildquelle: © funkschau

Offener Schlagabtausch: (v.l.) Moderatorin Claudia Rayling im Gespräch mit Harald Röder, Tabatha von Kölichen (beide Meru Networks), Aurel Takacs (Sysob), Willi Dütsch (Xirrus), Dirk Treue (Bintec Elmeg) und Eric Weis (funkschau).

Gab es mal Zeiten, in denen die Verfügbarkeit von WLAN „nice to have“ war, ist die kabellose Anbindung an das Internet heute Standard und muss zu 100 Prozent funktionieren – und zwar in Bezug auf Abdeckung und Kapazität. Diese Anforderungen rufen ganz klar den neuen 802.11ac-Standard auf den Plan, meint Harald Röder, Systems-Engineer bei Meru Networks für die DACH-Region. Der jüngste WLAN-Standard, der im November vom Institute of Electrical and Electronic Engineers (IEEE) ratifiziert wurde, macht drahtlos Gigabit-Geschwindigkeiten möglich. Das bedeutet: doppelt so schnelle Downloads als es beim Vorgänger 802.11n der Fall war und hochauflösendes Video-Streaming ohne Probleme. Das dürfte auch den Unternehmen gefallen: Videokonferenzen und Mobilität steht damit nur noch wenig im Weg. Doch was bringt der neue Standard, wenn man ihn als Unternehmen unter dem Kosten-Nutzen-Aspekt betrachtet?

„Wenn man heute mehr Kapazität braucht oder bandbreitenintensive Applikationen verwendet, wenn man Zukunftssicherheit möchte, eine Lösung, die vier bis fünf Jahre im Einsatz sein soll, dann muss man sich mit ac auf alle Fälle beschäftigen“, erklärt Tabatha von Kölichen, Regional-Sales-Manager DACH bei Meru Networks. Sie zeigt sich überrascht, wie schnell der neue Standard von den Kunden akzeptiert worden ist – die Hälfte der Lieferungen des WLAN-Spezialisten sollen demnach schon ac-Access-Points sein.

Zunächst stelle sich jedoch die Frage, wann ein Unternehmen auf ac migrieren sollte, meint Willi Dütsch, Technical-Director EMEA bei Xirrus. Dass an dem neuen Standard früher oder später kein Weg vorbei führen werde, liege zwar auf der Hand, dennoch befinde man sich noch in Welle eins. Diese bringt unter anderem schon ein verbessertes Coding, so dass unter günstigen Voraussetzungen vielleicht 33 Prozent mehr Bandbreite zur Verfügung steht, ansonsten kann durch Kanalbündelung gewonnen werden. Die Entscheidung, so Dütsch, müsse individuell je nach Lösungsansatz gefällt werden. Der entscheide dann auch darüber, ob sich das Warten auf die „zweite Welle“ lohnt: „Wann die nächste Welle kommt, ist immer etwas ungewiss. Wir gehen davon aus, dass es im nächsten Jahr soweit ist, allerdings hängen wir als Unternehmen von den Chipsatzherstellern ab, die Standardisierungsgremien bremsen teilweise auch“, so Dütsch. Xirrus ist schon jetzt vorbereitet: Der Großteil der Produkte ist modular gestaltet, so dass der Kunde auf Welle zwei nachrüsten kann, ohne ein Gerät komplett austauschen zu müssen.

Dirk Treue, Director Markting-Communications bei Bintec Elmeg, kann die Euphorie für den ac-Standard nur bedingt teilen. Die Nürnberger haben bislang noch keine Produkte für den neuen Standard auf den Markt gebracht – zu Recht, wie Treue betont, immerhin habe man die klein- und mittelständischen Unternehmenskunden im Fokus, und die könnten von ac (noch) nicht wirklich profitieren: „In der ersten Welle sehen wir die Nachfrage noch nicht. Unsere Vertriebspartner haben diese Wahrnehmung bestätigt. Bislang ist das Thema ac im Markt aus unserer Perspektive noch nicht angekommen.“ Die Gründe dafür liegen für Treue weniger in problematischen Migrationsszenarien, sondern vielmehr in den wenig ausgereiften Produkten. So hätten die ersten Access-Points noch einen gewaltigen Nachteil – den Strombedarf. Das Kostenverhältnis zum Kippen bringen demnach die erhöhten Kosten in der Infrastruktur: Lässt der Kunde das Ganze über PoE laufen, werden andere Switches benötigt. Treue rät daher, auf die zweite Welle zu warten, welche das Energieproblem auszumerzen verspricht. Und auch in Sachen Bandbreite dürfte im Nettobereich dann mehr zu erwarten sein.

Je nach heutigem und zu erwartendem Bandbreitenbedarf könnte der Kunde auch mit Welle eins schon bald an seine Grenzen stoßen, warnt Aurel Takacs, Business-Development-Manager bei Sysob IT-Distribution. Auf die Frage, ob die Wartezeit von ein bis zwei Jahren mit dem n-Standard überbrückt werden kann, gäbe es keine allgemeingültige Antwort – der Anbieter könne das nur im Einzelfall beurteilen. Die Clients sind in diesen Fällen kein Problem, weiß Tabatha von Kölichen, ganz im Gegenteil: „Die n-Clients arbeiten in einem ac-Netzwerk sogar schneller und effektiver als ac-Clients. Außerdem ist die Entscheidung für ein n- oder ac-Netzwerk immer auch ein Kostenfaktor. Der Anbieter muss im Einzelfall entscheiden und sehr genau auf die Bedürfnisse des Kunden eingehen – die Kosten immer fest im Blick.“

Bei Xirrus stellt man derweil fest, dass viele Kunden schon auf neue Technologien setzen wollen – zumindest auf den aktuellen Status quo – ganz im Sinne der Zukunftsfähigkeit. Dütsch: „Auch in Anbetracht der Tatsache, dass sich Technologiewechsel heute immer rascher vollziehen, ist eine Lösung nicht nur für die nächsten zwei Jahre gedacht. Kunden sind dazu gezwungen, in längeren Investitionszeiträumen zu denken. Und auch wenn sich die Endgeräte, die derzeit am Markt erhältlich sind, noch nicht auf dem aktuellen Stand befinden, sollten Unternehmenskunden sichergehen, dass die Infrastruktur auch noch in ein paar Jahren zeitgemäß ist.“

Doch für wen macht das Warten Sinn und wer sollte jetzt schon aufrüsten? „Ist der Flaschenhals nicht das lokale Netzwerk und es hakt vielmehr am Gateway ins Internet, lohnt es sich nicht, auf den neuen Standard zu migrieren“, meint Aurel Takacs von Sysob. „Werden aber lokal immense Datenmengen ausgetauscht, kann das Netzwerk schon einmal an seine Grenzen stoßen. Allerdings sehen wir diesen Bedarf heute noch bei wenigen unserer Kunden.“ Betrachtet man die Hotel-Branche, dürfte der aktuelle Standard dort einen deutlich höheren Stellenwert haben, da hier neben den Bandbreitenanforderungen die Flächenabdeckung eine gewichtige Rolle spielt, wie Dütsch zu bedenken gibt: „Im Zimmerbereich ist die Flächenabdeckung ein großer Treiber, wohingegen in der Lobby oder im Konferenzbereich auch die Bandbreite benötigt wird. So ist dann etwa denkbar, dass die Endkunden für ein hoch performantes WLAN beziehungsweise die Services, die darüber angeboten werden, zusätzlich bezahlt.“ Ist eine Lösung gefragt, die sowohl in der Fläche punktet als auch in Sachen Bandbreite, muss der Kunde dennoch nicht gezwungen werden, auf den ac-Standard zu migrieren – denkbar ist in diesem Fall auch eine Mischinstallation.