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Over-the-top-Dienste: Der OTT-Markt bleibt in Bewegung

Fortsetzung des Artikels von Teil 3.

Expertenkommentar: Europa ist keine Insel

Franz Schulze Sprakel, Geschäftsführer MPC Mobilservice Bildquelle: © MPC Mobilservice
Franz Schulze Sprakel, Geschäftsführer MPC Mobilservice

Gedanken zum OTT-Markt in Hinblick auf die aktuellen Pläne der USA beim Thema Netzneutralität von Franz Schulze Sprakel, Geschäftsführer MPC Mobilservice: "Alle Daten sind gleich. Aber manche sind gleicher als die anderen? – Das Thema Netzneutralität spielt im Konflikt zwischen OTT-Anbietern und TK-Unternehmen eine entscheidende Rolle.

Schaut man in die USA, ist die Netzneutralität bereits angezählt: Trotz massiver Proteste hat die US-Kommunikationsaufsicht FCC jüngst den Plänen für eine kostenpflichtige Überholspur im Internet zugestimmt. Netzprovider wie Verizon oder Comcast dürfen damit OTT-Anbieter künftig zur Kasse bitten, wenn diese Videos oder andere Inhalte auf schnelleren Leitungen übertragen lassen wollen. Der Videostreamingdienst Netflix lebt diese Praxis bereits, indem er sich ein Vorfahrtsrecht für seine Daten erkauft hat.

Die von Kritikern befürchtete Entwicklung hin zum „Zwei-Klassen-Netz“ wird neue Geschäfts- und Partnermodelle zwischen OTT-Anbietern und klassischen TK-Unternehmen nach sich ziehen. Aber auch der Wettbewerb unter den Content-Lieferanten selbst wird massive Umwälzungen erfahren: Mit breit aufgestellten Ecosystemen haben die Schwergewichte Google, Apple & Co einen klaren Vorteil gegenüber kleineren unabhängigen OTT-Anbietern, die ebenfalls datenhungrige Dienste anbieten und die Geschwindigkeit im Internet nicht ohne Weiteres aus der Portokasse bezahlen können.  

Auch die europäischen Netzbetreiber würden künftig gerne Maut von den OTT-Anbietern kassieren. Diesem Wunsch hat das EU-Parlament Anfang April eine Absage erteilt und sich mit großer Mehrheit für einen Schutz der Netzneutralität ausgesprochen. Dennoch bleibt abzuwarten, ob die Netzneutralität in der EU tatsächlich dauerhaft gesichert wird. Große Entwicklungen machen nicht vor Landesgrenzen Halt und die Geschichte lehrt, dass gerade jenseits vom großen Teich früher oder später Dinge zu uns herüberschwappen. Dies gilt nicht zuletzt für Entwicklungen bei einem dynamischen und umkämpften Medium wie dem Internet, bei dem verschiedenste Marktteilnehmer versuchen, die Rahmenbedingungen und Spielregeln für das Netz zu ihren Gunsten zu ändern."