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Serverumzug: Rechenzentren physisch verlagern

Fortsetzung des Artikels von Teil 2.

Am Umzugstag muss der Fokus auf der Verlagerung liegen

Außerbetriebnahme
Bei der Verlagerung ist präzises Arbeiten gefragt, denn meist steht nur ein knapp bemessenes Zeitfenster zur Verfügung. Die Rechenzentrums-Komponenten werden ausgebaut und verpackt. Im Um-zugsteam hat jeder spezielles Wissen, auch die Packer. „Wir sind IT-Techniker und wissen, wie mit der empfindlichen Technik umzugehen ist“, so Frank Keding. „Den Aus- und Einbau von Servern beziehungsweise der Serverschränke kann man nicht alleine machen, dazu ist ein eingespieltes Team vonnöten.“ Der „dritte Mann“ könne aber eine Hilfskraft sein. Auch das Verpacken überlässt Keding Hilfskräften, die aber unbedingt „mitdenken“ müssten.

Bei größeren Serverfarmen oder -anlagen setzt auch Nils Pöttrich auf die Zusammenarbeit mit Systemhäusern. Diese stellen ihm Mitarbeiter zur Verfügung. Für Pöttrich ist das eine Frage der Verhältnismäßigkeit: „Wir konzentrieren uns auf unsere Kernkompetenzen – also Montage, Verpackung, Handling und Transport.“ Wenn weitere Serviceleistungen gefragt seien, zum Beispiel im Bereich der Außer- und Inbetriebnahme, greift Pöttrich „bei Bedarf auf die Ressourcen von IT-Systempartnern zurück.“

Die Systempartner übernehmen aber auch noch eine weitere wichtige Rolle: Sie schulen die Mitarbeiter des Logistikers und zeigen ihnen, worauf sie achten müssen bei Außerbetriebnahme, Demontage und beim Verpacken. So ist letztlich über die Hälfte von Pöttrichs Mitarbeitern zu IT- beziehungsweise Serverthemen geschult und spezialisiert. Die jüngeren Mitarbeitern verfügen zusätzlich über eine Digital Native-Affinität. „Das kommt uns bei den Schulungen natürlich sehr entgegen.“
 
Verpackung und Transport
Während beim klassischen Unternehmensumzug Transportwannen zum Einsatz kommen, in die Arbeitsplatz-Rechner, Bildschirm und Co eingepackt werden, gibt es auch für Server spezielle Wannen, die mit Schaumstoff gepolstert sind. Nils Pöttrich arbeitet mit Spezialverpackungen, die „dem Schutzgrad der Originalverpackung entsprechen, im Handling jedoch deutlich schneller und einfacher sind.“ Darin wird die Technik antistatisch verpackt, auf Rollgestellen in den LKW gebracht und dort gesichert. Mit dem antistatischen Packmaterial wird vermieden, dass es zu einer elektrostatischen Aufladung kommt. Eine Entladung könnte die elektrischen Geräte beschädigen. Auch bei der Fahrt selbst gilt es, die Vibrationen und sonstige äußeren Einflüsse möglichst gering zu halten. Luftgefederte Fahrzeuge und ein erfahrener Fahrer tun ihr übriges.

Essenziell ist, dass alles koordiniert abläuft und bestimmte Reihenfolgen eingehalten werden. So wird erst der Server eingepackt und dann der Schrank, am Zielort muss jedoch erst der Schrank an seinen Platz, bevor die Server eingebaut werden können. So selbstverständlich das klingen mag: Wenn Wartezeiten entstehen, ist das ärgerlich. Wichtig sind also „Absprachen, klare Ansagen zur Reihenfolge des Be- und Entladens der Lkws“, so Keding.

Ist alles gut am Zielort angekommen und in Betrieb genommen, ist die Arbeit im Wesentlichen für das Umzugsunternehmen getan. Keding lässt von seinen Mitarbeitern pro Serverschrank eine Checkliste durchgehen, die abgehakt und von einer zweiten Person kontrolliert wird. Einen Funktionstest kann Keding „in der Regel nur bis zur Benutzeranmeldung“ machen. Das ist auch ein gewisser Unterschied zu einem Umzug von dezentraler IT. Denn wenn es gilt, mehrere hundert Arbeitsplätze nach den Wünschen und Anforderungen der Mitarbeiter einzurichten, kann es schon eher passieren, dass ein Monitor noch nicht dort steht, wo er hingehört, und noch nicht alles so läuft, wie es sollte.