Sie sind hier: HomeDatacenter

Interview: Michael Korbacher von Google: "Der Mittelstand braucht keine eigene Infrastruktur"

Im funkschau-Interview erklärt Michael Korbacher, Director Google Cloud DACH bei Google, warum die Cloud unerlässliche Grundlage des Digital Workplace ist und warum sich Unternehmen keine Sorgen um die Sicherheit ihrer Daten machen sollten.

Michael Korbacher Bildquelle: © Google

Michael Korbacher, Director Google Cloud DACH bei Google

funkschau: Herr Korbacher, wie schätzen Sie aktuell die Bedeutung von Cloud-Diensten in Deutschland ein? Steigt die Nachfrage?

Michael Korbacher: Die Nachfrage nach Cloud-Lösungen ist exponentiell steigend. Unternehmen wird immer klarer, dass eine Cloud-Strategie entscheidend ist. Und auch für Google nimmt das Thema einen immer wichtigeren Stellenwert ein.

funkschau: Google ist aber bisher allem voran für seine Suchmaschine und die damit verbundenen Dienste bekannt. Was genau bieten Sie Geschäftskunden aus der Cloud?

Korbacher: Auf der einen Seite stellen wir Collaboration-Systeme wie unsere „G Suite“ zur Verfügung, die unter Software-as-a-Service fallen. Relativ neu ist hingegen das Infrastracture-as-a-Service-Geschäft. Dazu gehören beispielsweise Storage- oder Server-Kapazitäten aus der Cloud.

funkschau: Aus welchen Gründen sollte ein mittelständisches Unternehmen in Hinblick auf den Digital Workplace auf Cloud-Dienste zurückgreifen?

Korbacher: Der typische Mittelständler braucht nicht zwangsläufig eine eigene Infrastruktur. Er profitiert davon, über die Cloud auf Lösungen zurückgreifen zu können, die auch großen Unternehmen zur Verfügung stehen. Es gibt eigentlich keinen Grund, warum der Mittelstand selbst hosten sollte. Die Möglichkeit, Teile der IT aus der Hand geben zu können, bietet wiederum die Chance, sich stärker auf die eigenen Kernkompetenzen konzentrieren zu können. Darüber hinaus unterstützt die Cloud genau die Endgeräteunabhängigkeit, die den digitalen Arbeitsplatz ausmacht. Arbeit wird flexibler und transparenter, Daten werden demokratisiert und Silos aufgebrochen.

funkschau: Sie würden also prinzipiell jedem Unternehmen dazu raten, alle Strukturen, wenn möglich, in die Cloud auszulagern?

Korbacher: Ich rate dazu, jede Plattform zu überprüfen, denn in vielen Fällen können Unternehmen Systeme problemlos auslagern. Wir fahren definitiv eine Cloud-first-Strategie.

funkschau: Was entgegnen Sie Kritikern, die Zuverlässigkeit und Sicherheit von Cloud-Diensten anzweifeln?

Korbacher: Unternehmen sollten sich ansehen, wie Security in der Cloud wirklich aussieht. Wenn ich mich damit beschäftige, dann erkenne ich die Sicherheit in der Cloud als einen Vorteil und als ein Argument dafür. Ich würde mir wünschen, dass jedes Unternehmen sein geistiges Eigentum so absichern kann, wie es bei vielen Cloud-Anbietern der Fall ist.  

funkschau: E-Mail-Server oder doch die Telefonanlage aus der Cloud – mit welcher Anwendung würden Sie den Grundstein für einen digitalen Arbeitsplatz legen?

Korbacher: E-Mail ist ein sehr guter Ansatz, um den eigenen digitalen Wandel anzutreiben. Entscheidend ist darüber hinaus aber auch, welche Kultur in den Unternehmen vorherrscht. Ich tue mich schwer damit, digital führend zu sein, wenn ich in den digitalen 90ern lebe. Kultur und Technologie hängen heutzutage viel stärker zusammen als noch zuvor.

funkschau: Sollte also jedes mittelständische Unternehmen in Hinblick auf die eigene Kultur Digitalvorreitern wie Google nacheifern und versuchen, das ein oder andere Arbeitskonzept zu adaptieren?

Korbacher: Es gibt meiner Meinung nach immer etwas, was man von großen Unternehmen lernen kann, auch von Google und vor allem von unserer Unternehmenskultur. Gerade mittelständische Unternehmen haben heutzutage ganz neue Möglichkeiten und Werkzeuge, um entsprechende Arbeitsplatzkonzepte umzusetzen, auch wenn sie selbst kein Konzern sind.