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Produkttest: Server der nächsten Generation

Mit dem "QuantaGrid D52B-1U" lieferte uns QCT ein besonders interessantes und gleichzeitig leistungsfähiges Serversystem für einen Test in die Redaktion. Server im 19-Zoll-Gewand mit nur einer Höheneinheit gibt es wie Sand am Meer, doch die Leistungsdaten dieses Systems sind überaus mächtig.

Sieger im „PassMark 8.0“-Test – der QCT QuantaGrid D52B-1U. Bildquelle: © QCT

Sieger im „PassMark 8.0“-Test – der QCT QuantaGrid D52B-1U.

Der in Taiwan ansässige Hersteller Quanta Cloud Technology (QCT) hat 2017 eine ganze Reihe neuer Server-Modelle seiner zweiten Produktgeneration vorgestellt, zu der unter anderem der  „QuantaGrid D52B-1U“ gehört, den wir eingehenden Prüfung unterzogen haben. Im Inneren des sehr gut und äußerst stabil verarbeiteten 19-Zoll-Rechners werkeln in unserem Testgerät zwei skalierbare „Intel Xeon“-Prozessoren neuester Bauart vom Typ „Platinum 8180 Hauptprozessoren“ mit einer Basistaktfrequenz von je 2,5 GHz. Bei Bedarf sind die CPUs in der Lage, die Frequenz im Turbomodus auf bis zu 3,8 GHz zu erhöhen. 28 Kerne, 56 Threads, 38,5 MByte Level-3-Cache, und das bei einer kontrollierten TDP von maximal 165 Watt, sind Stand heute „State of the Art“.

Mehr als sieben TByte RAM möglich

Über eine 2666-MHz-Anbindung kommunizieren die Prozessoren über jeweils sechs DDR4-Speicherkanäle mit dem RAM. Das Mainboard des D52B bietet insgesamt Platz für 24 RDIMM/ECC-Speichermodule. In der Theorie entspricht dies einem maximalen Speicherausbau von 7,68 TByte RAM, die jedoch von den CPUs aus adressiert werden müssen. Die im Testgerät eingesetzten 8180er Xeons vermögen maximal 768 GByte pro Core anzusprechen, in der Teststellung verfügte der Server über 190,7 GByte Arbeitsspeicher.

Auch sonst zeigte sich der Server insgesamt bestens ausgestattet. Auf der Frontseite befinden sich zwei USB-3.0-Ports, rückseitig der für den Serverraumbetrieb typische VGA-Anschluss, zwei weitere USB-Anschlüsse, eine Ethernet-Buchse des Baseboard Management Controller (BMC) für die IPMI-Einbindung (Intelligent Platform Management Interface) und die Kaltgerätebuchsen für die doppelt ausgelegten Netzteile. Als Besonderheit ist auf der Rückseite ein zusätzlicher Einschub für eine Speicherkarte vom Typ Micro SD. Ist ein solches Speichermedium vorhanden, sichert der Server automatisch als Eventlog-Einträge des BMCs und erlaubt dem Techniker oder Administrator eine Systemanalyse, ohne das Gerät selbst öffnen zu müssen.

Festplattenseitig bietet das Testgerät vier SSDs vom Typ „Samsung MZWLL3T2HJMP“ mit je 3,2 TByte und weitere acht Drives mit 6,4 TByte, ebenfalls von Samsung, jedoch vom Typ „MZWLL6T4HMLS“. Erwartungsgemäß für diese Server-Klasse sind alle verbauten 2,5-Zoll-Festplatten komplett hot-plug-fähig. Neben der Variante mit insgesamt zwölf SSDs bietet der Hersteller die Server mit acht traditionellen SAS/SATA-Platten und vier NVMe-Laufwerken jeweils in der 2.5-Zoll-Ausführung oder mit vier 2,5-Zoll- oder 3,5-Zoll-SAS/SATA/NVMe-Einschüben und optional vier 9-mm-SAS/SATA/NVMe-Laufwerken. Insgesamt hat QCT die Maschinen in zehn unterschiedlichen Storage-Varianten im Portfolio. Je nach Modell unterscheiden sich wiederum die internen Ausbaumöglichkeiten in Bezug auf Netzwerkkarten und OCP Mezz Cards. Vom 1-GbE-Dual-Port in RJ45-Kupferausführung über SFP+, Fiber in 1/10 GbE bis hin zu 25-40 GbE in SFP 28 sowie QSFP-Ausführung bietet QCT insgesamt elf Optionen mit Single bis Quad Port. Je nach Ausführung bleiben einige PCIe-Steckplätze in Riser-Karten frei für eigene Aufrüstungsvorhaben.

Reibungslose Inbetriebnahme

Im Zuge des Tests installierten wir problemlos „VMware ESX 6.5.0“ (Build 4564106) über einen USB-Stick. In wenigen Minuten ließ sich den Server als zusätzlicher Host in eine bereits bestehende „VMware vSphere 6.5“-Umgebung integrieren. Sowohl bei der Installation als auch bei der Inbetriebnahme gab es keinerlei Auffälligkeiten. Praktischerweise benötigt diese Maschine kein spezifisches Installationsmedium, da alle benötigten Gerätetreiber für den Betrieb von VMware bereits im Standard enthalten sind.

Für den Test erstellten wir eine virtuelle Maschine mit zunächst 16 virtuellen CPU-Kernen und 48 GByte Arbeitsspeicher sowie Microsoft Windows Server 2016 als Betriebssystem. Zur Performance-Bestimmung kam der etablierte PassMark 8.0 zum Einsatz, dessen typische 3D-Leistungsprüfung uns an dieser Stelle kaum interessierte. Beeindruckender waren die 22.944 Punkte im CPU Mark. Immerhin überstieg die Leistung die eines „Intel Core i7-3770K“ mit 3.5 GHz um mehr als das Doppelte. Dank der üppigen Ausstattung des Servers erlaubten wir uns eine Wiederholung des Tests mit zugewiesenen 48 virtuellen CPU-Kernen. Der CPU Mark stieg daraufhin auf überragende 37.469 Punkte. Für die Berechnung von Primzahlen weist der Test ein Ergebnis von 366,4 Punkten aus. Im Vergleich dazu erzielt ein „Intel Core2 Duo E8400“ mit drei GHz gerade einmal 3,97 Punkte, der bereits erwähnte Intel Core i7 33,2 Punkte.

Lediglich bei der gemessenen RAM-Performance forderte die Virtualisierung ihren Tribut und lieferte im Vergleich zur physikalischen Hardware etwas schwächere Ergebnisse. Ganz anders verhielt sich im Test die Storage-Architektur. Aus der Software-Sicht wandelte sich die logische Storage-Ausführung unserer Testmaschine in zwei ATA-Bereiche mit je 28,89 GByte als SATA-DOM zur Aufnahme von Betriebssystemen und den vier 2,91 TByte großen NVMe-Bereichen sowie den acht 5.82 TByte NVMe-Plattenbereichen. Dank der insgesamt flexiblen Bereitstellung der Platten gibt es an sich keine zwingende Notwendigkeit zum Erwerb von teuren RAID-Controllern.

Seit der Version 6.5 ist „VMware ESXi“ in der Lage, in virtuellen Maschinen mit der Hardwareversion 13 und höher auch auf NVMe Controller direkt zuzugreifen. In gewisser Weise stellt diese Technik eine Besonderheit dar, da die logische Gerätetypspezifikation für nichtflüchtige Speichermedien einen Zugriff durch echte und virtuelle Hardware ermöglicht. Virtuelle NVMe-Geräte reduzieren den I/O-Overhead in der VM und erlauben insbesondere VDI- oder Terminalserver-Implementierungen eine höhere Durchsatzrate. Selbst Software-RAID-Konfigurationen direkt in der VM sind unter Windows Server 2008R2, Windows 7, RHEL 6.5, Ubuntu 13.10, FreeBSD 10.1 oder Debian 8.0 und höher realisierbar.

Gemessen mit CrystalDiskMark 5.1.2 in der x64-Ausprägung kommt eine ein TByte große virtuelle Festplatte auf einer einzelnen NVMe-SSD auf 3.084 MB/s im lesenden sequentiellen Q32T1-Zugriff und überragenden 2.729 MB/s im schreibenden. Zum Vergleich liefert ein virtualisierter Windows Server 2016 auf einem kleinen PowerEdge-Server auf SATA-Platten lediglich 175,2, beziehungsweise 111,8 MB/s. Eine typische 240er SSD auf einem physikalischen Windows-10-Computer kommt indes auf rund 500 zu 380 MB/s. Selbst die SATA-DOM-Bereiche für die eigentliche Betriebssysteminstallation liefern hervorragende Performancewerte.

Mehr als nur Leistungsdaten

Neben einer sehr guten Verarbeitung und äußerst starken Leistungsdaten überzeugt QCT auch in vielen anderen Bereichen. Ein niedriger Energieverbrauch im Standby und der optionale Einsatz von 80-Plus-Titanium-Netzteilen stehen für eine Reduzierung des Stromverbrauchs in Rechenzentren. Auch ohne den Einsatz von Messgeräten überzeugte das Testgerät durch eine recht geringe Geräuschentwicklung. Dies ist wiederum ein Zeichen von niedrigem Stromverbrauch auf der einen Seite und einem fortschrittlichen thermischen Kühlungssystem auf der anderen Seite. Das werkzeuglose Design, einschließlich schraubenloser Laufwerkseinschübe und PCIe-Slot-Designs, wird wiederum den Techniker erfreuen. QCT bietet zur Rechenzentrumsverwaltung den kostenpflichtigen „CT System Manager (QSM)“ mit einer Integration über den Industriestandard „RESTful API“ und dem „Intel Rack Scale Design (RSD)“.