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Internet of Things: Das Internet der Prozesse

Das Internet der Dinge umfasst mehr als nur autonom agierende Komponenten, die via Web vernetzt sind. Die allfälligen Szenarien lassen erkennen, dass für den Erfolg der Anwendungen die Integration in ein Prozess-Management unerlässlich ist.

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vernetzte Dinge werden erst durch ein

entsprechendes Prozess-Management

zum Internet der Dinge.

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Georges Faddoul, Regional Director Schweiz bei Pegasystems: "Vernetzte Dinge werden erst durch ein entsprechendes Prozess-Management uum Internet der Dinge."

Genau genommen gibt es das “Internet der Dinge” gar nicht. Ebenso wenig wie es ein “Internet der Menschen” oder ein “Internet der Unternehmen” gibt. Das Internet ist eine Infrastruktur, der es vollkommen gleich ist, welche “Entitäten” über sie kommunizieren. Die dafür notwendigen technischen Komponenten sind dieselben: Router, Kabel, Steckdosen, Switches oder Funkfrequenzen kennen keinen Unterschied zwischen Dingen, Menschen oder auch Tieren – Sender und Empfänger werden nicht qualifiziert.

Nimmt man es nicht so genau, ist mit dem Internet of Things (IoT) eine Kommunikation von Objekten gemeint, die ohne (unmittelbare) menschliche Interaktion auskommt. Das setzt voraus, dass diesen Objekten eine universelle, also weitgehend standarisierte, und überall verfügbare Kommunikationsinfrastruktur zur Verfügung steht; nur so können sie autonom agieren und selbstständig untereinander kommunizieren.

Zweite Voraussetzung ist, dass diese Objekte mit eigener “Intelligenz” ausgestattet sind, sodass sie, immer in den Grenzen der jeweiligen Technik, autonom agieren können. Die verbauten Sensoren und Aktoren verleihen den “Dingen” die Fähigkeit zur Interaktion, dazu kommen Bauteile, die schließlich für Kommunikationsfähigkeit sorgen; meist, aber nicht zwingend, sind das RFID-Tags.

Alle Grundkomponenten wurden in den vergangenen Jahren soweit verkleinert, dass sie nahezu ohne Einschränkungen durch Abmessungen oder Gewicht überall verbaut werden können. Und sie sind nicht nur hinreichend miniaturisiert, sondern auch preiswert genug, um sie massenhaft einzusetzen. Tatsächlich lassen sich die Sensoren, Aktoren und Kommunikatoren mittlerweile sogar in Szenarien verwenden, in denen nur der Einmalgebrauch vorgesehen ist. Auf dieser Basis kann alles, was im weitesten Sinne unter die Kategorie “Ding” gezählt werden kann, mit dem Internet kommunizieren.

Kein Wunder, dass sich die IoT-Prognosen übertreffen: Bis 2020 sollen auf diese Weise rund 20 Milliarden Geräte vernetzt sein, andere sprechen schon von 50 Milliarden, und es gibt keinen Grund, warum es nicht demnächst auch 100 Milliarden sein sollen. Dementsprechend besteht auch an Anwendungsszenarien kein Mangel. Allerdings gibt es derzeit noch einen Überhang von Ideen, Entwürfen und Pilotprojekten gegenüber bereits realisierten und auch kommerziell erfolgreichen Anwendungen.

Ein typisches Szenario für kommerzielle IoT-Anwendung kommt aus dem Bereich Device Directed Warranty oder Prescriptive Maintenance. Dass Sensoren den Betrieb von Anlagen überwachen und Unregelmäßigkeiten melden, ist gängige Praxis in der Industrie. Neu im IoT ist, dass die Kommunikation via Web erfolgt. Das heißt, dass der Betreiber der Anlage keine Infrastruktur aufbauen muss. Neu ist außerdem, dass durch die Miniaturisierung und Verbilligung der Komponenten nicht nur hochwertige Objekte vernetzt werden können.

Letzten Endes kann auf diese Weise jedes Produkt im Einsatz verfolgt und kontrolliert werden: Hält der Kühlschrank die Temperatur? Leuchtet die Straßenlaterne noch? Fährt der Aufzug? Sind die Fenster geschlossen? Sind Personen im Raum? Kaum eines dieser Szenarien wäre vor 20 Jahren technisch nicht machbar gewesen – allerdings immer zum Preis eines immensen Aufwands, der einen wirtschaftlich sinnvollen Einsatz unmöglich gemacht hätte. Wo jedoch Geld keine Rolle gespielt hat, etwa im militärischen Bereich, sind solche Szena-rien längst Realität.

Zu den typischen Beispielen zwischen industriellen und privaten Anwendungen zählt das “Connected Car”. Geeignete Komponenten eines Fahrzeugs sind mit Sensoren ausgestattet, die Unregelmäßigkeiten in Betriebszuständen an den Fahrer melden. Über die bloße Störungsmeldung hinaus erhält der Fahrer proaktiv Vorschläge und Handlungsalternativen in seinem Cockpit; so zum Beispiel die Anfahrtsbeschreibung zur nächstgelegenen Werkstatt oder Terminvorschläge für einen Werkstattbesuch. Bei sich häufenden, ähnlichen Unregelmäßigkeiten können im Hintergrund zusätzlich Qualitätsverbesserungsmaßnahmen angestoßen werden.