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Kolumne
Its time to say Knut bye
Der mündige Bürger ist informiert über das Tagesgeschehen, und wenn Fernseher, Radio und Internet mal nicht verfügbar sind, zum Beispiel am Arbeitsplatz, dann liest er in der Zeitung. Um auch die sensationsgeile Minderheit auf dem Laufenden zu halten, ...
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gibt es die BILD.
Ich lese ja so einen Schund niemals, aus Prinzip nicht – also außer, wenn sie jemand zufällig im Bus liegen gelassen hat. Oder wenn mir langweilig ist. Oder wenn ich zufällig an einem Zeitungsautomaten vorbeikomme und etwas Kleingeld übrig habe.
Neulich also titelte dieses Blatt: „Knut ist tot!“
Bis zu diesem unglückseligen Zeitpunkt waren zwei ereignislose Wochen vergangen, ja ich möchte vermuten, aus einer Art vorgezogenem Sommerloch heraus hatten die Zeitungen sich dazu hinreißen lassen, über etwas völlig Belangloses zu schreiben, ein Erdbeben irgendwo in einem Land, das so weit weg ist, dass kaum einer so genau weiß, wo es liegt, vermutlich liegt es neben China.
Nun aber trauert die Welt um Knut, endlich gibt es wieder Themen, die Deutschland in Atem halten, nun sieht man wieder jammernde ältere Damen im Fernsehen und Bildergalerien von Knut im Internet: Knut als Baby, Knut als Teenager, Knut mit seinem Pfleger, Knut mit seiner Lieblingsdecke.
Zugegeben, Knuts Charme ist schon mitreißend und auch ich musste, nachdem ich das Video gesehen hatte, wie er in seinem Außengehege zuerst erbärmlich zuckte und dann leblos ins Wasser fiel, ein paar heimliche Tränen verdrücken, so Leid hat mir der kleine Eisbär getan. Anschließend habe ich mich wie alle anderen in Spekulationen darüber ergangen, woran er wohl gestorben ist. An Einsamkeit? An Herzschmerzen, weil ihm erst sein Pfleger, dann auch noch seine Eisbärengefährtin genommen worden sind? Inzwischen weiß ich, woran es lag: An einem Hirntod. Aber das hindert ja nicht an weiteren Spekulationen. War vielleicht sein Gehege zu klein? Hat der Stress mit drei Eisbärendamen Knut noch das Letzte gegeben?
Was ist dagegen eine Auseinandersetzung in Afrika oder ein Unfall irgendwo in Asien, das betrifft uns ja nicht, denn an Einsätzen beteiligen wir uns nicht und unsere Atomkraftwerke sind sowieso sicher - also ab jetzt, wo die alten Meiler abgeschaltet sind.
Und wer nun einen leichten Druck auf der Brust verspürt, denn die Nachrichten aus Deutschland werden auch immer schlechter - erst geht Guttenberg, nun auch noch Knut und der Trainer von FC Bayern – dem kann gesagt werden: Es gibt ebenso allerhand gute Neuigkeiten. Man kann derzeit nämlich nach langer Pause wieder nach Herzenslust in süßen Vorahnungen schwelgen, wer Deutschlands nächster Superstar wird und wann Lothar Matthäus’ Exfrau mit ihrem Tanzpartner knutscht.
Das Fazit: Hier ist die Welt noch in Ordnung – also abgesehen von diesem Zoo in Berlin - die Trauer um Knut wird vergehen, Sarah Engels wird aus DSDS rausfliegen und die Welt sich mit dem neuen Trainer des FC Bayern abfinden.
Alles wird am Ende doch noch gut.
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