VMware Forum 2013

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26. April 2011
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Kolumne

BIN MAL WEB oder die Tücken der Werbung

Ach waren das noch Zeiten, als die Badenixe aus den Fluten stieg und sich die Freiheit nahm, mit der Visa-Card den Cocktail zu bezahlen. Und es war die Zeit, wo uns als Werbeverbraucher noch richtig erklärt wurde, worum es geht. Und zwar auf Deutsch. Nehmen wir zum Beispiel mal ...

Uwe Bauer

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Uwe Bauer, Vorstand von aetka

After Eight. Das war die feine englische Art, von der wir uns in den Bistros auf Malle jederzeit überzeugen konnten. Oder denken Sie noch an das Spülmittel, welches Villarriba schon feiern ließ, wo in Villabajo noch gespült wurde? Wer erinnert sich noch, um welches Spülmittel es ging? Nicht das, wo Sie Ihre Hände drin baden, sondern Fairy Ultra. Und das ist keineswegs ein Hygiene-Artikel für Frauen. Fairy Ultra ist verblasst, die Story der beiden spanischen Dörfer, die es nie gegeben hat, ist geblieben. Und heute brauchen wir das gar nicht mehr, denn da werden die Somat Corega Tabs in die Spülmaschine geworfen und die Party geht weiter. Wie war das schön, als es noch einfach und eingängig hieß „ Otto…find ich gut“. Das stimmt, davon konnte ich mich unlängst auch bei einer seiner Shows überzeugen.

Auch Spalt schaltete den Schmerz ab, aber nur so lange, bis an den Stammtischen dieser Nation der Spruch umgedreht wurde. „Alles Super“ sagt Aral und stellt seit Februar auf den markanten Spruch „alles E10“ um. Baden-Württemberg ist mit dem Spruch berühmt geworden, der dem Ländle diesen Mix aus provinziellem Charme und Leistungsfähigkeit gegeben hat. „Wir können alles, außer hochdeutsch!“ Mit der Landtagswahl ist das Geschichte. Jetzt heißt es „Wir lassen alles“. Die Autobauer werden sich umstellen müssen, denn bei Daimler Brenntz nicht mehr und der Porsche wird mit seinem Elektromotor für Jugendliche ab 15 und Senioren als Lidlmobil zugelassen. Insgesamt ist die Autoindustrie von der Rolle. Die Schmiede sportlicher automobiler Manufaktur – BMW aus München – hatte einen Slogan, der als Beispiel von allen Marketingdozenten in diesem Land diente, um den Marketing-BWL´ern (gefühlt die Hälfte aller Jugendlichen in Deutschland) deutlich zu machen, wie einfach, genial treffend und emotional ein Slogan sein kann. „Freude am Fahren“. Doch seit die Franzosen den Renault mit „Créateur d'automobiles“ verkaufen wollen, musste das getoppt werden.  Es geht noch schwieriger: „Efficient Dynamics“ (sprich: Äffischnt Deinämiks“) soll der alten Garde der BMWler neuen Schwung verleihen. Viel Erfolg dabei, schwierig, aber nichts ist unmöglich!

Aber es geht noch skurriler. Seit mir die Klugscheißer von Carglass erzählen, dass ein Sprung in der Scheibe was Geiles ist, habe ich Nachbars Kindern angeboten, mit den Steinen nicht mehr nach der Katze, sondern meiner Frontscheibe zu zielen.

Apropos „geil“. Es wird scheinbar doch wieder einfach. Wenn geil geil ist, dann wird die nächste Johnny Walker- Werbung „blau ist blau“ heißen und wenn Manfred Krug wieder Werbung für Aktien macht, dann heißt es einfach „weg ist weg“. Da ist der gute alte Media Markt-Spruch schon beständiger. „Ich bin doch nicht blöd“. Genau, ich hab’s begriffen, deshalb kaufe ich ja beim Fachhändler!

Axe, der Duft, der Frauen provoziert. Dafür brauche ich kein „Axe“! Es reicht, in passender Umgebung zu erwähnen, dass Zalando wieder dicht macht. Doch die Werbung geht noch weiter. Wenn Ottfried Fischer für XXXL-Möbelhäuser (soweit ja noch ganz geschickt und konsequent) wirbt, können die Damen im Münchner Bordelaise immer noch auf ein extra-Pfund als Euro hoffen. Doch wenn das Markenzeichen „Die mit dem roten Stuhl“ ist“ wird’s unlustig. Das kann keiner wollen.

Dank der Feldbuschen weiß keiner mehr, wie es richtig heißt. Da werden Sie geholfen? Da wird Ihnen geholfen? Da wird Sie geholfen?

Wenn Ihnen das nächste Mal einer sagt; „BIN MAL WEB“, dann ist das kein Freudscher Versprecher, sondern verdammt richtig! Dann denkt er sicher an mobiles Internet und an Sie, den Fachhändler an der Ecke, der sich am besten um ihn (oder sie) kümmert.

Ihr

Uwe Bauer