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16. August 2011
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Kolumne

Fit in 5 Minuten

 

Also ich weiß nicht, wie Sie darüber denken – ich jedenfalls habe schon 2002, zu dem feierlichen Anlass meines 19. Geburtstags, entschieden, dass ein gesunder Körper und ein gesunder Geist bei meinem durchschnittlichen Nahrungsmittelverbrauch (hohe Quantität, aber das leider auf Kosten der Qualität) nur durch sofort zu veranlassende kontinuierliche, ausdauernde körperliche Ertüchtigung aufrechtzuerhalten ist. Also habe ich mich nach kurzer Bedenkzeit letzte Woche im Fitnessstudio angemeldet.

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Dies ist ein großer Schritt, den man nicht ohne adäquate Unterstützung gehen sollte. Mein Fitnesstrainer heißt Alex und wenn er Gewichte hebt, drehen sich alle Köpfe anwesender Damen nach ihm um. Auch ich bin während des unverbindlichen Probetrainings seinem Charme auf Anhieb verfallen und der Studiobetreiber hat gleich mit dem Vertrag unter meiner Nase herumgewedelt.

Vor Alex‘ Augen versuche ich also auf dem Laufband eine gute Figur zu machen. Das erweist sich zunächst als schwierig: Während links neben mir ein durchtrainierter 50jähriger seit 30 Minuten mit 20 km/h und konstantem Puls von 75 gemütlich über das Band joggt, und die Nachbarin rechts von mir unter dem Laufen ihren Lippenstift nachzieht, finde ich zehn Minuten lang den Kopfhöreranschluss für den zugeschalteten Fernseher nicht. Ich beginne zu schwitzen, denn wenn ich mir meine Lieblingsserie beim Laufen nicht ansehen kann, dann könnte ich genauso bei mir um die Ecke kostenlos um den See joggen, statt auch noch extra mit dem Auto anzufahren. Und um den See würde ich niemals joggen. Das ist mir viel zu anstrengend.

Ich drücke also die Voreinstellung „Hügelige Landschaft“ und beginne mit dem Laufband. Schnell wird mir jedoch klar, dass mein Puls ohne mich die Hügel erklimmt. Er befindet sich inzwischen auf gefühlten 2.500 Höhenmetern, während ich ihm unten auf dem Laufband völlig außer Atem hinterherhechle. Genaugenommen muss ich mich unter dem Laufen an den Pulssensoren festhalten, sonst falle ich da auch noch runter.

Nunja. Vorerst belasse ich es also dabei und finde mich in Raum 2 für den Kurs „Bauch Beine Po“ ein. Das wird eine Kleinigkeit für mich sein, schließlich habe ich alle drei mit Pasta und Kuchen vorher ordentlich gestärkt.

Was soll ich sagen – nein, ich sage lieber nichts. Was soll das auch, für was sollen denn Liegestütze gut sein, ach, das ist ja alles sinnlos, ob ich das Bein jetzt noch einmal anhebe oder gleich zusammenbreche, also nein, diese ganze Mühe, und bezahlen soll ich auch noch dafür, und was ist das überhaupt, soll das jetzt mein Muskel sein, oder habe ich mir etwa den Oberschenkelknochen gebrochen? Wem soll das alles nützen und tut es eine Fettabsaugung nicht auch? Das ist heutzutage gar nicht mehr so teuer. Ich kann auch gänzlich auf Muskeln verzichten, das ging jetzt 28 Jahre lang ohne Probleme! Wer kommt überhaupt auf solche perversen Ideen, auf einem Bein stehen, wann stehe ich im Alltag schon mal auf einem Bein? Also nein. Mit mir nicht. Aber es ist ja überaus peinlich, mittendrin den Raum zu verlassen. Also bleibe ich. Heimlich schiele ich auf die langen, ganz durchgestreckten Beine der hübschen, graziösen, durchtrainierten Nymphe neben mir. Ich wünsche ihr nur das Beste, vor allem aber die Pest an den Hals oder wenigstens einen komplizierten Muskelfaserriss. Und da gibt auch schon der erste Kursteilnehmer auf und verlässt peinlich berührt den Raum. Der ist nicht zu beneiden, es ist wirklich peinlich, wenn auch noch jeder sieht, dass man keine Disziplin hat.

Ich finde mich also hochroten Kopfes vor der geschlossenen Kurstür wieder und höre von drinnen die anderen weiter Liegestütz machen und schnaufen. Also dass man so lange braucht, um fit zu werden, hätte ich nicht gedacht. Wenigstens habe ich Sport gemacht. Heute gönne ich mir den doppelten Eisbecher.

Bleiben Sie fit, Sport trägt schließlich zu guter Laune bei,

Ihre Stephanie Jarnig