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HFO Kick Off 2018: Der Wandel kommt – manchmal aber erst morgen

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

„Geringer Stellenwert“

Mathias Pasquay, Geschäftsführer bei Pascom, berichtet ebenfalls von einer gedämpften Migrations-Euphorie im Markt. Demnach sei der prognostizierte Hype um den Umstieg noch nicht eingetreten, viele Unternehmen würden stattdessen Ihre bestehenden ISDN-TK-Anlagen IP-fähig machen und auf dedizierte VoIP-Lösungen vorerst noch verzichten. Laut Florian Buzin, Geschäftsführer bei Starface, liege das zu großen Teilen daran, dass viele Anwenderunternehmen die Vorteile der IP-Infrastruktur nicht kennen würden. „Zahlreiche Technologien setzen auf IP auf, aber viele Unternehmen nehmen den Wechsel als unnötig wahr.“ Eine Einschätzung, die auch Snom-CEO Gernot Sagl in der All-IP-Diskussionsrunde bestätigt: „Solange die TK-Anlage funktioniert, hat das Thema in Unternehmen einen relativ geringen Stellenwert.“

Eine Marktbilanz zwischen Digitalisierungsfreude und Zurückhaltung, die sich vom IP-Umstieg auch auf den Einsatz von Cloud-Telefonie erstreckt. „Der große Hype kommt erst noch, wir stehen hier ganz am Anfang“, sagt Thomas Gehb, Geschäftsführer des ITK-Dienstlisters Blueconnect. „Erst kommt die IP-Umstellung, und wenn dann die Anlagen ausfallen, dann kommt auch die Cloud.“ Laut einigen Teilnehmern des Systemhaus-Talks auf dem Kick Off sollen IP-Centrex-Produkte bei immer mehr Kunden zur Sprache kommen, noch würden Faktoren wie Datenschutz oder etwaig günstigere Betriebskosten von On-Premise-Anlagen den Erfolg aber ausbremsen. „Beim Thema Cloud denken viele: da sitzt jemand und greift meine Daten ab“, erklärt Gehb. Als weitere Hürde auf dem Weg zu einer modernen Kommunikationsinfrastruktur nennt Dominik Gilgen von ParIT die neue Rollenverteilung innerhalb der Unternehmen. Demnach war Telekommunikation früher ein Thema für Elektroinstallateure, aktuell nehme sich aber zumeist notgedrungen die IT des Bereichs an. „Heute schwappt es in die IT-Abteilung und ist dort nicht sonderlich beliebt“, so Gilgen.

Bleiben die erhofften Effekte der IP-Umstellung im deutschen Markt also aus, tritt die Unternehmenskommunikation trotz Digitalisierung auf der Stelle? Die Modernisierung und neue Technologien wie Cloud oder Videotelefonie werden trotz allem kommen, waren sich die Sprecher der All-IP-Diskussionsrunde sicher, allerdings nicht von heute auf morgen und voraussichtlich auch nicht bis Ende 2018. Die Entwicklung wird sich über die kommenden Jahre erstrecken, geprägt von den unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Unternehmen. „Hier sind Pioniere nötig, die neue Technologien schon jetzt testen und einsetzen“, erklärte HFO-Vorstand Achim Hager und Bisping führte weiter aus: „Fakt ist: wir brauchen die All-IP-Umstellung, sie ist  einer von vielen Schritten der Digitalisierung. Und es wird ein schneller Wandel sein, der von Dienst zu Dienst geht.“ Daraus ergibt sich für den ITK-Handel wiederum ein enormes Potenzial, das es von Resellern und Systemhäusern laut Hager jetzt zu adressieren und zu nutzen gilt.