Sie sind hier: Home

Snom: Wiedergewonnene Bewegungsfreiheit

Snom wurde durch den chinesischen Konzern VTech übernommen. Ein wichtiger und richtiger Schritt, der mit neuen Ressourcen und einer höheren Flexibilität einhergeht. Jetzt will Snom in die Weiterentwicklung des Telefons investieren, wieder Neues ausprobieren und damit auch Risiken eingehen.

Gernot Sagl, Snom Bildquelle: © Snom

"So eine Übernahme durch einen Grosskonzern macht sich natürlich bemerkbar."

Gernot Sagl, CEO bei Snom

In den Markt für Desktop-Telefone kam in den vergangenen Jahren viel Bewegung. Lange Zeit rückläufige Zahlen im gesamten Kommunikationsumfeld, eine weitreichende Umstrukturierung bei Gigaset oder die Fast-Übernahme von Polycom durch Mitel sind nur einige Beispiele dafür, dass von Stillstand aktuell keine Rede sein kann. Jüngster Coup: die Übernahme des deutschen Telefon-Herstellers Snom durch die chinesische VTech Gruppe. Auf den ersten Blick ein Garant für eine unsichere Zukunft, gibt es doch mehr als genug Beispiele in der Wirtschaftsgeschichte, dass bei vergleichbaren Akquisitionen durch einen Konzern aus dem Ausland der Rotstift regieren kann. „Ein kleiner Mittelständler wird von einem Großkonzern übernommen, das macht sich natürlich bemerkbar“, erklärt Snom-CEO Gernot Sagl im Gespräch mit funkschau. „Ein Konzern wie VTech hat seine ganz eigenen Prozesse, in die wir uns integrieren müssen. Nicht zu vergessen die kulturellen Unterschiede.“

Auf Unterschiede wird geachtet
Stehen also turbulente Zeiten für Snom bevor und eine Strategie, die aus Hongkong diktiert wird? Im Gegenteil, sagt Sagl. „Wir merken, dass VTech international aufgestellt ist und auch Erfahrungen mit Übernahmen hat. Auf länder- und kulturspezifische Unterschiede wird durchaus geachtet.“ Und auch die Integration in die Prozesse des Konzerns würde sehr gut laufen. Jetzt soll Snom von der Marktmacht VTechs profitieren und wieder vorankommen. Wie Heike Cantzler, Head of Marketing bei Snom, erläutert, hatte der Telefonhersteller vor einiger Zeit rund 30 Prozent seiner Entwicklungsabteilung verloren, zwei Jahre lang hieß es daher: den Standard mit deutlicher weniger Ressourcen aufrechterhalten. „Wir waren eine Zeit lang langweilig und vorsichtig.“ Denn innovative Produkte könne man nur bringen, wenn es einen Spielraum zum Forschen gebe und auch einmal „etwas schiefgehen kann“.

„Die Übernahme war für uns ein großes Glück“, unterstreicht auch Sagl. „Wenn man sich unsere größten Mitbewerber in Erinnerung ruft, dann tut man sich als deutscher Mittelständler, der alles selbst finanzieren muss, natürlich schwer.“ Die Übernahme gebe Snom jetzt die Möglichkeiten, die das Unternehmen zuvor nicht hatte – vor allem in Hinblick auf eine gesteigerte Flexibilität, um besser auf Kundenwünsche einzugehen. Immerhin hat der Telefonanbieter mit VTech jetzt den Rückhalt eines Herstellers, der in Deutschland zwar hauptsächlich für Lernspielzeuge bekannt ist, international aber allem voran über enorme Produktionskapazitäten für Telekommunikationslösungen verfügt und zu den weltweit größten Fertigern zählt. Jetzt kann auch Snom dieses Potenzial nutzen und die eigenen Modelle „schneller und günstiger“ herstellen, wie Sagl erklärt. „Wir werden uns weiterhin als Premiummarke positionieren, wollen aber natürlich im Umsatz und Marktanteil deutlich zulegen“, so der CEO. „Snom bleibt als eigene Marke und als eigenes Unternehmen bestehen. Und im Gegensatz zu manchen Befürchtungen wird auch die Organisation wieder wachsen.“ Gegenwärtig suche man für die Zentrale in Berlin neue Mitarbeiter in den Bereichen Sales, Marketing, Presales und Support sowie in der Softwareentwicklung. Die zuvor eingebüßten 30 Prozent der Entwickler sollen gewissermaßen wieder ausgeglichen werden. Darüber hinaus möchte das deutsche Unternehmen über die europäischen Grenzen hinaus wachsen. Mit der Unterstützung von VTech stehen neben der EMEA-Region auch der asiatisch-pazifische Raum sowie der amerikanische Markt im Fokus.