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"Kein Engpass an Ingenieuren in Deutschland erkennbar"
Ingenieure: Droht jetzt die Absolventenschwemme?
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung geht in Opposition zum Verein Deutscher Ingenieure (VDI). DIW-Arbeitsmarktforscher Karl Brenke bezweifelt, dass wegen des hohen Durchschnittsalters der Ingenieure ein "enormer Ersatzbedarf" entstehen werde. Der Zulauf auf ingenieurwissenschaftliche Studienplätze lasse sogar eher ein Überangebot erwarten, Brenke warnt vor einer möglichen Absolventenschwemme.
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Die Klagen über Ingenieurmangel in Deutschland sind derzeit wieder auf dem Höhepunkt. Die Erkenntnisse des DIW weichen aber stark von den Angaben des VDI ab. »Das Durchschnittsalter der Ingenieure ist in den letzten zehn Jahren zwar etwas gestiegen, im Schnitt sind Ingenieure aber jünger als andere Akademiker«, so Brenke. »Der gegenwärtige Run auf ingenieurwissenschaftliche Studienplätze lässt eher ein Überangebot an solchen Fachkräften erwarten.«
Seit Jahren beklagt der VDI einen Mangel an Ingenieuren in Deutschland. Mit seinen jüngsten Zahlen gibt er nun an, dass das Durchschnittsalter der Ingenieure bei gut 50 Jahren liege und daher in den nächsten 10 bis 15 Jahren die Hälfte aller Ingenieure in den Ruhestand wechseln werde. Hieraus leitet der VDI schon heute einen jährlichen Ersatzbedarf von 40.000 Ingenieuren ab. »Diese Forderungen kann ich nicht nachvollziehen«, so Karl Brenke, der die VDI-Angaben den Daten des Mikrozensus und der Bundesagentur für Arbeit gegenübergestellt hat.
Laut Mikrozensus waren 2008 in Deutschland rund 750.000 Ingenieure tätig. Ihr Durchschnittsalter lag bei 43,3 Jahren. Weniger als ein Drittel von ihnen war 50 Jahre und älter. »Obwohl Ingenieure durch ihre lange Ausbildungsdauer vergleichsweise spät in den Arbeitsmarkt eintreten, liegt der Altersdurchschnitt nicht höher als bei anderen akademischen Berufen«, so der DIW-Experte. Da es in den letzten Jahren keine radikalen politischen Maßnahmen oder Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt für Ingenieure gegeben habe, geht der DIW-Experte davon aus, dass sich die Altersstruktur der Ingenieure allenfalls geringfügig verschoben haben kann.
»Ich halte es nicht für realistisch, dass von 2008 bis heute das Durchschnittsalter um sieben Jahre auf 50 bis 51 Jahre gestiegen ist«, so Brenke. Dies wird auch durch die aktuelle Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit von Juni 2011 gestützt. Das DIW Berlin erwartet vielmehr einen Ersatzbedarf von höchstens 20.000 Ingenieuren.
1. Teil: Ingenieure: Droht jetzt die Absolventenschwemme?
2. Teil: Stark differierende Bedarfsschätzungen
Weiterführende Links:
- IAB-Studie: Demographischer Wandel führt nicht automatisch zu Fachkräftemangel
- Neue Zahlen des VDI-/IW-Ingenieurmonitor: VDI lokalisiert jede zweite offene Ingenieurstelle in Süddeutschland
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