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18. Juli 2011
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Ich mach nicht mint

Über 300 Programme gibt es in Deutschland, die dabei helfen sollen, Frauen für MINT-Studiengänge zu begeistern – doch sie funktionieren nicht. Vor allem in Elektrotechnik hat sich der Frauenanteil kaum erhöht. Experten fordern stattdessen eine gründliche Reform des Studiums und ein Umdenken in den Unternehmen – wovon nicht zuletzt auch Männer profitieren würden.

Von Corinne Schindlbeck

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Frauen sind auf dem Arbeitsmarkt für Ingenieure eine noch unerschlossene Reserve, genauso wie Männer als Erzieher in Kindertagesstätten. Warum ist das so? Nur zum Vergleich: In Norwegen liegt der Anteil männlichen Erzieher in Kindertagesstätten bei 8,5 Prozent – dreimal so hoch wie in Deutschland. Nur etwas drüber, bei rund 10 Prozent, liegt in Deutschland der Anteil der Frauen, die Elektrotechnik studieren.  Seit Jahren machen mehr Mädchen als Jungen Abitur – und studieren zum Leidwesen der Wirtschaft dann Fächer wie Ernährungswissenschaft oder Germanistik, anstatt ein MINT-Fach (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu wählen.

Dabei hatte die Bundesregierung bereits 1999 beschlossen, Frauen den Zugang zu Informationstechnologie zu ebnen und sie in diesem Zuge auch für technische Studiengänge zu motivieren. So förderte und fördert das BMBF zahlreiche Projekte, wie etwa „Roberta – Mädchen erobern Roboter“, das 2002 begann. Seit Jahren gibt es den „Girl’s day“ für Schülerinnen, seit kurzen auch einen „Boy’s day“. 2008 startete „MINT – Zukunft schaffen“. Insgesamt sind es 319 Aktionen, die der Steigerung des Frauenanteils in MINT-Fächern dienen sollen. Doch immer noch bewegt sich der Anteil der Studentinnen in Elektrotechnik kaum und liegt seit Jahren auf niedrigem Niveau, bei derzeit knapp über 10 Prozent.

Auch von wissenschaftlicher Seite wurde nun bestätigt, dass die diversen Programme kaum wirken. Weil sie am eigentlichen Problem vorbeizielen: Bereits im Jahr 2002 hat die Bund-Länder-Komission (BLK) empfohlen, MINT-Studiengänge einer Strukturreform zu unterwerfen: mehr Interdisziplinarität und Übungen, mehr Sprachen, mehr Wirtschaft, weniger Aussieben und Verschulung wurde gefordert. Die Nachfolgeorganisation der BLK, die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hat nun untersucht, inwieweit diese Vorschläge umgesetzt worden sind. Ergebnis: „in wesentlichen Teilen“ wurden die Empfehlungen nicht umgesetzt, berichtet Dr. Andrea Löther, verantwortlich für die Untersuchung. Zusammengefasst kann man sagen, dass mit diversen Aktionen versucht wird, die Frauen an die Studiengänge anzupassen, nicht umgekehrt. Somit blieben die Programme nicht völlig wirkungslos, aber leider unter ihren Möglichkeiten, so Löther.